Im Internet findet sich neben Falsch- und Desinformationen auch manipulative Stimmungsmache. Das Problem: Nicht immer lässt sich das auf den ersten Blick erkennen. Laut Cambridge-Forschenden könnten kurze Videos im Cartoon-Stil helfen, Nutzende für Falschinfos sensibilisieren.

Auf der Webseite Inoculation zeigt ein Forschungsteam aus Cambridge, wie ein 90 Sekunden langes Video aussieht, das klassische Manipulationsmuster offengelegt. Inoculation nennen die Wissenschaftler*innen diese Methode. Übersetzt bedeutet das etwa "An-impfen". Sie testeten sie auf Youtube.

So eine Inoculation soll User*innen über manipulative Muster von Falschnachrichten informieren und für deren Erkennung sensibilisieren. Kurze im Comic-Stil gedrehte Videoclips visualisieren das Manipulationsmuster auf unterhaltsame Weise.

"Ein Inoculation-Clip zeigt zum Beispiel, wie Inhalte mit Emotionen wie Angst oder Wut aufgeladen werden."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Ersteller*innen von Desinformation nutzen, um ihren Inhalten Aufmerksamkeit zu verschaffen. Neben dem Schüren von Emotionen wie Angst und Wut, werde beispielsweise die Schuld an komplexen Problemen einem Sündenbock zugeschoben oder Personen persönlich angegriffen – anstatt auf Argumente einzugehen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat.

Inoculation-Video anstelle von Werbung sehen

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat sagt, dass Videos, die bestimmte Emotionen des Menschen ansprechen, Aufmerksamkeit bekämen, auch wenn inhaltlich nicht viel dahinterstecke.

Damit sich die Inoculation-Clips schneller im Internet verbreiteten, suchten die Forschenden nach Kooperationen. Durch die Zusammenarbeit mit Google konnten bereits 5,4 Millionen Youtube-Nutzer*innen einen entsprechenden Clip sehen – anstatt der sonst üblichen Werbung.

Rund eine Million Zuseher*innen haben den Clip mindestens 30 Sekunden angeschaut. Die Forschenden sendeten ihnen anschließend die Einladung zu einer Testfrage. Erste Ergebnisse zeigten, dass die kurzen Youtube-Einspieler bei Testpersonen die Erkennung manipulativer Techniken verbesserten. Die Videos sollen in Zukunft auch auf Twitter und den Plattformen von Meta ausgespielt werden.

Wahrheitsgehalt einschätzen

In der Testfrage sollte die Überschrift eines typischen Social-Media-Postings daraufhin bewertet werden, ob und wie sehr diese manipulativ ist. Es zeigte sich, dass die Menschen, die vorab ein Video zum Thema impfen sahen, den Wahrheitsgehalt des Postings besser einschätzen konnten als die, die vorher kein "Impf-Video" sahen.

Die These der Forschenden ist, dass schon das einmalige Ansehen eines Inoculation-Videos, das Bewusstsein von User*innen schärfen kann. Dies belegten sie neben dem Youtube-Feldexperiment auch in einer Laboruntersuchung. In der im Fachblatt "Science Advances" publizierten Studie wurde ein kleiner, aber signifikanter Effekt dieser Videos nachgewiesen.

Die Schlussfolgerung der Cambridge-Forschenden ist, dass im Kampf gegen fragwürdige Inhalte im Netz eine allgemeine Sensibilisierung der Leute möglicherweise besser wäre als nachträgliches Faktenchecken und korrigieren.