Eine rechtliche Grauzone macht es möglich: In Spanien dürfen Clubs Marihuana auf Plantagen anbauen und Mitgliedern monatlich eine bestimmte Menge Gras zur Verfügung stellen. Denn Besitz und Verkauf sind nicht illegal, solange der Verkauf reguliert wird.

Schon vor 20 Jahren wurde der erste Cannabis-Club in Spanien gegründet. Damals haben sich hundert Leute zusammengeschlossen und einfach ganz öffentlich eine Plantage angelegt. Die Ernte wurde zwar konfisziert, die Clubmitglieder aber vor Gericht frei gesprochen, weil Konsum und Eigenbedarf in Spanien keine Straftat sind. Selbst die Verteilung ist erlaubt. Eben unter der Bedingung, dass sie reguliert wird und genau das tun die Cannabis Clubs. Das zumindest hat 2003 das oberste Gericht festgelegt. Diese Gesetze gelten für das Baskenland und Katalonien.

500 Cannabis-Clubs gibt es seitdem in Katalonien, alleine 300 davon befinden sich in Barcelona. Geschätzt haben sie 165.000 Mitglieder. Der Umsatz soll bei etwa fünf Millionen Euro im Monat liegen. Im Pachamama, einem der 300 Canabis-Clubs in Barcelona, sieht es allerdings nicht nach fettem Geschäft aus, sondern eher nach gemütlichem WG-Wohnzimmer. Präsidentin des Clubs ist die 28-Jährige Patty. Monika, ebenfalls 28 Jahre alt, ist für die Ausgabe zuständig.

"Wir kämpfen für das Recht der Cannabis-User mit ihrer Gesundheit machen zu können was sie wollen."
Patty, 28, Präsidentin des Cannabis-Clubs Pachamama in Barcelona

Nur für Mitglieder

In einen Club wie das Pachamama kommt man nur mit einer Einladung. Wer bereits Mitglied ist, der darf zum Beispiel einen Freund oder Bekannten einladen. Der stellt sich dann vor und kann auch Mitglied werden, vorausgesetzt, er hat seinen offiziellen Wohnsitz in Katalonien. Einfach an die Tür klopfen und im Pachamama einen Joint rauchen, das geht nicht. Die Clubs wollen sich so vor Drogentourismus schützen. Das wäre illegal und würde auch Probleme mit der Polizei geben.

"Du sollst sehen wie das hier funktioniert. Also laden wir dich auf einen Joint mit unserem Gras ein. Du darfst es gerne probieren. Es ist kein illegaler Verkauf und du bist nicht als Tourist hier."
Patty erklärt das Prinzip ihres Cannabis-Clubs

Legalisierung? Nein, Danke!

Im Gegensatz zum niederländischen Modell, wo zwar der Verkauf legal ist, die Coffeeshops sich ihre Ware auf dem Schwarzmarkt besorgen müssen, dürfen die Clubs in Spanien ihr Gras selbst anbauen. Der Vorteil: Sie wissen, was sie ihren Mitgliedern zu rauchen geben. Das Pachamama baut sein Gras in einer Zweizimmerwohnung an - mitten in der Stadt. Drei festangestellte Gärtner kümmern sich um die Hanfpflanzen.

"Ich bin nicht für Legalisierung, weil Legalisierung einen freien Markt bedeuten würde. Und das hieße, dass jeder einfach an der Straßenecke Gras verkaufen könnte, ohne jede Kontrolle und Garantie."
Club-Präsidentin Patty will keine Legalisierung von Cannabis

Auch wenn die Cannabis-Clubs nur geduldet sind, eine Legalisierung befürwortet Club-Präsidentin Patty nicht. Denn das würde den Markt öffnen. Ein reguliertes System hingegen würde eine gute Qualität garantieren. Und auch dafür sorgen, dass jeder sich gutes Gras leisten kann.

Die Abgabe wird im Pachamama übrigens genau protokolliert. In einem kleinen Büro führt Monika Buch darüber, welches Mitglied an welchem Tag wie viel Gramm von welcher Sorte bekommen hat. Pro Tag gibt es ein Maximum von fünf Gramm, pro Monat sind es 50 Gramm. Wobei fünf Gramm schon ziemlich viel sind. Damit lassen sich schon eine ziemlich große Anzahl von Joints drehen.

Abgabe für medizinische Zwecke

Aber ins Pachamama kommen nicht nur Kiffer. Es gibt auch Menschen, die sich hier Cannabis zu medizinischen Zwecken besorgen. Eine ältere Frau zum Beispiel, die nach einer Krebsoperation eine große, schmerzende Narbe zurückbehalten hat. Weil sie nachts vor Schmerzen nicht schlafen kann, hat ihr der behandelnde Arzt vom Marihuana-Club erzählt. Seitdem kommt sie ein Mal im Monat, um sich eine spezielle Grassorte zu holen. Die lindert die Schmerzen und ermöglicht ihr, nachts das zu tun, was die meisten von uns tun. Schlafen.