Worauf wir achten sollten, wenn wir ein ausgemustertes Carsharing-Auto oder einen ehemaligen Mietwagen kaufen wollen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Nico Rau.

Viele Carsharing-Anbieter wechseln ihre Fahrzeuge regelmäßig aus. Vor allem sogenannte Freefloater, also Autos von Carsharing-Anbietern, bei denen wir den Wagen auch in einer anderen Stadt zurückgeben können, werden häufig nach kurzer Dauer ausgetauscht. Der größte Anbieter, Share Now, gibt die Fahrzeuge schon nach 24 Monate an die Leasing-Partner zurück.

Bei stationsbasierten Anbietern werden die Autos meist etwas länger genutzt. Die Deutsche Bahn mit seinem Carsharing-Angebot Flinkster verkauft die Autos nach circa drei Jahren, der Anbieter Cambio erst nach rund vier bis fünf Jahren.

Unwirtschaftliche Autos und veraltete Modelle werden ausgemustert

Die Autos haben dann zwischen 120.000 und 160.000 Kilometer auf dem Tacho und werden aufgrund der anfallenden Wartungs- und Reparaturarbeiten immer unwirtschaftlicher für die Halter, sagt unser Reporter Nico Rau.

Mietwagen-Anbieter tauschen ihre Wagen auch recht häufig aus, weil sie um Kunden konkurrieren und möglichst immer die aktuellen Modelle und die neueste Technik verfügbar machen möchten. Im Vergleich zu Carsharing-Fahrzeugen sind diese Autos von viel weniger Fahrern genutzt worden.

Diese Fahrzeuge sind meist nur 20.000 Kilometer gefahren. Diese Autos sind sozusagen fast neuwertig, sagt Nico Rau. Auch Prüforganisationen wie Dekra oder der Automobilclub Europa bestätigen, dass sie gute Erfahrungen mit solchen Autos als Gebrauchtwagen gemacht haben.

Ausgemusterte Autos laden auf dem Gebrauchtmarkt

Die ausgemusterten Autos werden zunächst optisch aufbereitet. Das bedeutet: Das Logo des Anbieters, das mit Folie auf den Wagen aufgeklebt wurde, wird entfernt. Außerdem wird das sogenannte Telematiksystem ausgebaut, das ist die Technik, die misst, wie lang und weit das jeweilige Fahrzeug gefahren ist.

Insgesamt ist der Anteil der ehemaligen Carsharing-Fahrzeuge, die wir gebraucht kaufen können, relativ gering, es sind rund 26.000 Autos. Bei früheren Mietwagen ist die Zahl um einiges höher: Rund 230.000 sind es aktuell und jedes Jahr kommen fast 300.000 Gebrauchtwagen dazu.

"Die Motoren haben heutzutage aber verschiedene Regelungen und Sicherheitssysteme eingebaut, dass ich den Motor gar nicht mehr so richtig quälen kann. Das heißt, diese Schäden, die wir aus der Vergangenheit kennen, sind heutzutage nicht mehr so das große Problem."
Constantin Hack, Technik-Experte vom Autoclub Europa

Gebrauchte Carsharing-Autos: Worauf wir beim Kauf achten sollten

Dass ein Fahrzeug bereits von vielen verschiedenen Fahrern gefahren wurde, ist inzwischen kein allzu großer Nachteil mehr, sagt Constantin Hack, Technik-Experte vom Autoclub Europa. Das liegt daran, dass die neueren Fahrzeuge inzwischen über verschiedene Regelungen und Sicherheitssysteme verfügen.

Dass wir ein gebrauchtes Carsharing-Fahrzeug oder einen ehemaligen Mietwagen kaufen, sollte uns der Verkäufer ungefragt mitteilen - zumindest hat das Landgericht Hamburg vor ein paar Jahren entsprechend geurteilt, sagt unser Reporter. Wer sich seiner Sache ganz sicher sein möchte, kann im Fahrzeugschein nachschauen. Dort steht unter "Sonstige Vermerke", ob es sich um ein sogenanntes "Selbstfahrervermietfahrzeug", also ein altes Carsharing-Auto oder einen ehemaligen Mietwagen handelt.

Nachteile beim Kauf

  • viele unterschiedliche Fahrer, die möglicherweise nicht pfleglich mit dem Fahrzeug umgegangen sind, haben das Auto genutzt
  • das Fahrzeug wurde häufig für Kurzstrecken genutzt, was auf Dauer nicht so gut für den Motor ist

Vorteile beim Kauf

  • die Wagen haben kein allzu gutes Image und sind daher in der Regel günstiger als entsprechend alte Fahrzeuge
  • sie sind Scheckheft-gepflegt
  • in vielen Fällen waren sie jährlich bei der Hauptuntersuchung - bei Mietwagen ist das zum Beispiel Pflicht - in der Regel müssen Autos nur alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung
  • Carsharing-und Mietwagen-Anbieter warten und pflegen ihre Fahrzeuge regelmäßig

Wer keine Überraschungen erleben möchte, kann rund 150 Euro investieren und bei einer Prüfstelle zum Check-up vorbeifahren. In der Regel sind die Verkäufer mit solch einer Untersuchung auch vor dem Kauf einverstanden, sagt der Deutschlandfunk-Nova-Reporter Nico Rau.