Auch bei Caterern fallen Essensreste an. Yvonne arbeitet aushilfsweise bei einer Catering-Firma und will die Reste weitergeben. Darf sie das? Wir haben uns für sie informiert.

Die Lebensmittel- und Hygieneregeln schreiben vor, dass Speisen, die bereits herausgegeben wurden oder mit Gästen in Kontakt gekommen sind, nicht weitergegeben werden dürfen. Streng genommen muss alles, was auf dem Buffet gestanden hat - egal ob belegte Brötchen, Salate oder Dips - weggeworfen werden.

Haufenweise Essen für den Müll

Das nervt Yvonne. Die 29-Jährige arbeitet neben ihrem Studium der Ernährungswissenschaften bei einem Caterer und muss nach Events haufenweise Essen wegwerfen, wie zum Beispiel: 

  • gebratene Kartoffeln 
  • Champignons
  • Böhnchen in Speck
  • Kartoffelsalat
  • gegrilltes Fleisch
  • Salate
"Das tut mir jedes Mal aufs Neue unglaublich weh. Iich stehe immer komplett neben mir, wenn ich das sehe, und selbst beim Wegschmeißen anpacke."
Yvonne möchte keine Essensreste mehr wegschmeißen

Yvonne fragte sich, ob Caterer Essen weitergeben dürfen. Bei der Suche nach einer Antwort ist sie bei Deutschlandfunk Nova gelandet. Sie hat uns eine Mail geschickt: "Daher schreibe ich euch und bitte euch, mir zu helfen!" Im April 2018 hatten wir berichtet, dass Caterer ihre Reste in die Tonne werfen müssen.

Teilnehmer dürfen selbst Essen einpacken

Joachim Wuttke vom Umweltbundesamt hat uns damals zum Beispiel erklärt, dass die Teilnehmerinnen und –teilnehmer eines Events so viel Essen vom Buffet mitnehmen dürfen, wie sie wollen. Nur sehen das Caterer meist nicht so gern. Denn rein rechtlich sind sie auch für mitgenommenes Essen immer noch  verantwortlich.

Einige Caterer arbeiten mit Tafeln zusammen und dürfen ihnen unter bestimmten Bedingungen Essen weitergeben:

  • ungeöffnete oder unverarbeitete Lebensmittel
  • gekühlte oder Tiefkühl-Lebensmittel (bei Einhaltung der Kühlkette)
  • Backwaren 
  • zubereitete Speisen, wenn sie noch frisch aus der Küche kommen, keinen direkten Kontakt mit Gästen hatten und von Fachpersonal

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs hat für Yvonne noch weiter recherchiert. Auch nicht zubereitetes Obst und Gemüse dürfen weitergegeben werden.

Essen an Freunde und Verwandte weitergeben

Was ebenfalls erlaubt ist und was Yvonne bereits macht: Sie sagt Freunden und Verwandten Bescheid, wenn es Reste gibt. "An den Tagen, an denen ich dort aushelfe, packe ich mein Auto voll und benachrichtige Freunde und Familie, dass sie am nächsten Tag vorbeikommen und ihre Dosen oder Töpfe vollpacken sollen." 

Das wären aber nur geschätzte zehn Prozent von dem, was übrig bleibt, schreibt Yvonne: "Nun möchte ich im größeren Ausmaß das Essen einsammeln und am nächsten Tag verteilen."

Unterschiedliche Haltbarkeit beachten

Deshalb hat Grit bei Ernst Tabori, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin vom Deutschen Beratungszentrum für Hygiene, nachgefragt, ab wann Lebensmittel hygienisch bedenklich werden. Für den Arzt ist entscheidend, wie lange Lebensmittel bereits der Wärme ausgesetzt waren. Für Roastbeef können zwei Stunden zu lange sein, einem Knäckebrot macht diese Zeitspanne dagegen nichts.

"Wir müssen immer schauen, was sind das für Speisen und wie lange standen die in der Wärme."
Ernst Tabori, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin

Als angehende Ernährungswissenschaftlerin müsste Yvonne selbst gut einschätzen können, ob die Reste noch genießbar sind. Hält sie alle Lebensmittelregeln ein, könnte sie die Reste Bedürftigen zukommen lassen. "Ich bin dazu bereit, mir einen Kühlwagen (für die ausreichende Kühlung) sowie einen Bulli zu organisieren, um die Lebensmittel abends oder nachts abzuholen und am nächsten Tag auszugeben", schreibt sie.

Haftung bleibt beim Caterer

Doch sobald sich jemand den Magen verdirbt, haftet der Caterer, also Yvonnes Chef. Sie müsste zuerst die Essensweitergabe mit ihrem Chef ganz genau abklären. Jedenfalls sollte Yvonne mit ihm sprechen und ihm erklären, dass sie es nicht richtig findet, so viele Reste einfach wegzuwerfen. Möglicherweise könnte er mit einer Tafel zusammenarbeiten oder die Mengen besserl planen, so dass weniger Reste anfallen.

Mehr zum Verwerten von Essensresten bei Deutschlandfunk Nova: