China positioniert sich im Streit um Jerusalem. Das Land befürwortet die Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt und ruft Israelis und Palästinenser zu Friedensgesprächen auf.

Donald Trump findet, dass Jerusalem die Hauptstadt von Israel ist. Und jetzt hat sich auch China zu diesem Thema gemeldet: Das Land hat sich für einen eigenen palästinensischen Staat ausgesprochen mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Klingt für uns vielleicht noch etwas ungewöhnlich, dass China jetzt auch im Nahen Osten mitmischt, ist es aber gar nicht. China sieht sich längst als Supermacht, als Player, der weltweit mitspielt.

China mischt mit

Wir beobachten seit geraumer Zeit, dass China seine globale Rolle, die dem Land ohnehin durch seine Wirtschaftsleistung zuwächst, nun auch sehr aktiv wahrnimmt und sich in Konflikte einmischt. Das sagt Eberhard Sandschneider, Politikwissenschaftler und Ostasienexperte an der FU Berlin. Bisher hatte sich China sorgsam aus diese Konflikten herausgehalten.

"China mischt sich ein, und tut das auch durchaus im Kontrast zu den Vereinigten Staaten."
Eberhard Sandschneider, Politikwissenschaftler und Ostasienexperte an der FU Berlin

China hat ein sehr großes Interesse daran, das weltpolitische Stabilität erhalten bleibt. Und mischt sich deswegen ein, wenn es glaubt, dass diese Stabilität gefährdet ist.

Im Vergleich zu Trumps "America First", sagt auch China "China first". Zum Beispiel gibt es die Initiative, die Seidenstraße wiederzubeleben – und damit den Einfluss auf den gesamten eurasischen Kontinent auszudehnen.

"Donald Trump ist ein perfekter Präsident. Bedauerlicherweise nur für die Interessen Chinas."
Eberhard Sandschneider, Politikwissenschaftler und Ostasienexperte an der FU Berlin

Mit diplomatischen Schachzügen fordert China die USA heraus und bringt sich als Weltmacht des 21. Jahrhunderts in Stellung. Zum Beispiel  findet China derzeit für den Westen die Worte, die alle hören wollen, sagt Sandschneider, allerdings lasse das Land nicht immer unbedingt Taten folgen.

Überall dort wo Amerika sich zurückzieht – sei es politisch oder wirtschaftlich - öffnet sich nun Platz für China. China spielt inzwischen überall mit – sie transferieren Arbeit nach Afrika, kaufen Unternehmen in Europa, investieren in die Infrastruktur.

Und China mischt sich auch schon in die europäische Politik ein. Zum Beispiel beim 16 plus 1 Gipfel, der vor Kurzem stattgefunden hat. "Das sind 16 mittel- und osteuropäische Länder. Davon sind Zehn Mitglied in der EU. Die machen mit China eine eigene Infrastrukturpolitik – ohne dass Brüssel dabei eine Rolle spielt", sagt Sandschneider.

"China ist längst in Europa angekommen."
Eberhard Sandschneider, Politikwissenschaftler und Ostasienexperte an der FU Berlin

Das Problem: Das Ganze kann uns nicht egal sein, weil wir trotz allem mit den USA eine größere Schnittmenge an Werten und Interessen haben. Das ist mit China nicht so. China ist ein kommunistisches System, es ist eine Autokratie und hat mit Demokratie nichts am Hut, sagt Eberhard Sandschneider.

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