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Der Zusammenbruch des dänischen Spielers Christian Eriksen beim EM-Spiel gegen Finnland hat viele geschockt und nachdenklich gemacht. Der niederländische Nationalspieler Daley Blind hatte am Tag danach bei seiner Auswechslung Tränen in den Augen – er trägt einen Defibrillator implantiert unter Haut. Wie gefährlich ist es, mit Herzproblemen Leistungssport zu machen?

Wahrscheinlich hat der schnelle Einsatz eines Defibrillators Christian Eriksen das Leben gerettet. Vielen ging der Vorfall nah. Auch Daley Blind von der niederländischen Nationalmannschaft reagierte am Tag danach beim Spiel gegen die Ukraine emotional. Ja, das hatte mit dem Zusammenbruch Christian Eriksens zu tun, sagte er anschließend. Er habe mit sich gerungen, ob er überhaupt spiele.

Der Hintergrund: Blind und Eriksen sind befreundet. Und: Daley Blind wurde vor anderthalb Jahren ein Defibrillator implantiert. Beim Champions-League-Spiel von Ajax Amsterdam gegen den FC Valencia hatte er im Dezember 2019 über Schwindelgefühle geklagt. Diagnose: eine schwerwiegende Herzmuskelentzündung.

Elektroschock am Herz

Einen eingebauten Defibrillator müsse man sich vorstellen wie eine Art Herzschrittmacher, erklärt Christine Joisten, Leiterin des Instituts für Bewegungs- und Neurowissenschaft an der Sporthochschule Köln. Er sei aber kein Schrittmacher, der den Herzrhythmus dauerhaft unterstützt, sondern einer, der erkennt, wenn das Herz ein sogenanntes Kammerflimmern hat. In so einem Moment schlägt das Herz zwar äußerst schnell, hat aber keinen echten Output mehr, so die Sportmedizinerin.

"Ein eingebauter Defibrillator induziert bei Kammerflimmern einen Elektroschock direkt am Herz. Das Überleben ist damit gesichert."
Christine Joisten, Sportmedizinerin an der Sporthochschule Köln

Um diesen funktionellen Herzstillstand schnellstmöglich zu beenden, erzeugt der eingebaute Defibrillator einen Elektroschock direkt am Herz, erklärt die Sportmedizinerin. Beim reinen Schrittmacher erfolgen die Impulse nur unterstützend und nicht wiederbelebend, das sei der ganz große Unterschied.

Defibrillator im Leistungssport

Herzmuskelentzündungen können mit sogenannten malignen Herzrhythmusstörungen einhergehen, also mit solchen, die lebensbedrohlich werden können. In solchen Fällen werde ein Defibrillator unter die Haut implantiert, wie bei Daley Blind eben. Dieser sichere das Überleben.

Lange Zeit – noch bis vor fünf, sechs Jahren – war es aber absolut verboten, mit solchen Schockgebern Leistungssport zu betreiben, sagt Christine Joisten. Auch international sei das immer noch nicht ganz eindeutig und einheitlich geregelt, ob man es darf oder nicht.

"Bis vor fünf, sechs Jahren war Leistungssport mit eingebautem Defibrillator noch verboten."
Christine Joisten, Sportmedizinerin an der Sporthochschule Köln

Das Problem: Gerade beim Fußball – Beispiel: die Aufregung vor dem entscheidenden Elfmeter – geht die Herzfrequenz oft massiv nach oben. Der Schrittmacher muss dann in solchen Momenten unterscheiden können, ob das nur Aufregung ist oder ob es sich tatsächlich um eine lebensbedrohliche Herzfrequenz, also eine Rhythmusstörung handelt.

All das muss technisch entsprechend filigran vorprogrammiert, eingestellt und überwacht werden. Wenn das sichergestellt ist, dann können Betroffene auch wieder Leistungssport betreiben, so die Sportmedizinerin.

Hätte der Defi Eriksen geholfen?

Ob ein eingebauter Defibrillator Christian Eriksen schneller geholfen hätte, lässt sich noch nicht sagen, so Christine Joisten. Es komme tatsächlich auf die Ursache seines Zusammenbruchs an – und diese sei noch nicht bekannt.

"Heute umgefallen, wiederbelebt, und morgen gibt's den Schrittmacher – so einfach ist es nicht. Die Ursache muss eruiert werden."
Christine Joisten, Sportmedizinerin an der Sporthochschule Köln

Wenn man wisse, was dahintergesteckt hat, dann könne man mit einem speziellen EKG, das direkt am Herzen abgeleitet werde, überprüfen, wie sensibel und empfindsamen sein Herz reagiert – ob es also generell anfällig für Stress ist oder das „nur im Rahmen dieser Akutsituation“ auf dem Platz passiert ist. Erst danach könne man sagen, was der Spieler tatsächlich braucht. "Heute umgefallen, wiederbelebt, und morgen gibt's den Schrittmacher" – so einfach sei es dann eben doch nicht.

Im Notfall schnell reagieren

Was ihr tun müsst, wenn jemand plötzlich zusammenbricht, erfahrt ihr hier.