Der Herzstillstand des dänischen Fußballspielers Christian Eriksen hat viel Anteilnahme hervorgerufen – auch unter Nicht-Fußballfans. Der Vorfall führt bei vielen auch zu der Frage: Was kann ich machen, wenn jemand plötzlich zusammenbricht? Bernd Böttiger von der Uniklinik Köln erklärt, was in so einem Fall tun ist und wie wahrscheinlich ein plötzlicher Herzstillstand überhaupt ist.

Der Vorfall am Samstagabend (14. Juni 2021) bei der Fußball-Europameisterschaft im Stadion in Kopenhagen hat viele erschüttert: Plötzlich fällt der 29-jährige dänische Spieler Christian Eriksen zu Boden. Herzstillstand.

"Wir könnten in Deutschland jedes Jahr Zehntausende Menschenleben zusätzlich retten, wenn wir das so machen, wie wir es bei dem Fußballspiel im Fernsehen gesehen haben."
Bernd Böttiger, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Rates für Wiederbelebung

Herzstillstand: In Deutschland passiert das 70.000 Mal im Jahr

Die Verantwortlichen vor Ort reagierten schnell. Das hat Cristian Eriksen das Leben gerettet, ist Bernd Böttiger, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Universität zu Köln und Vorstandsvorsitzender des Deutschen Rates für Wiederbelebung, überzeugt. In anderen Fällen komme die Hilfe oft gar nicht oder zu spät.

In Deutschland erleiden 200 bis 300 Personen pro Tag einen plötzlichen Herzstillstand, so Bernd Böttiger. Im Schnitt seien die Betroffenen 65 Jahre alt, Männer seien anfälliger als Frauen. Jüngere Menschen treffe es eher selten.

"Bei einem plötzlichen Herzstillstand wird man innerhalb von 15 Sekunden bewusstlos, denn das Gehirn braucht viel Sauerstoff. Nach drei bis fünf Minuten fängt das Gehirn an zu sterben.“
Bernd Böttiger, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Rates für Wiederbelebung

Wichtigstes Tool um Leben zu retten: die Herzdruckmassage

Der Rettungsdienst in Deutschland brauche im Durchschnitt neun Minuten, bis er beim Betroffenen eintrifft. Im Falle eines Herzstillstands sei das zu spät, so Bernd Böttiger. Deswegen sei es unbedingt notwendig, in der Zeit bis zur Ankunft des Rettungswagens, die Herzdruckmassage durchzuführen.

Das Motto, erklärt Bernd Böttiger, lautet: "Prüfen, rufen, drücken. Also, prüfen, ob ein Lebenszeichen da ist. Wenn die Person nicht reagiert und nicht normal atmet, die 112 rufen und dann umgehend mit der Herzdruckmassage beginnen." Dafür müsse zwischen den beiden Brustwarzen fünf bis sechs Zentimeter tief mit ausgestreckten Armen auf den Oberkörper im Wechsel gedrückt und wieder losgelassen werden. Das Ganze müsse fortgeführt werden, bis der Notarzt da ist.

"Die Herzdruckmassage kann man im Takt von Songs wie 'Staying alive' oder dem Radetzkymarsch machen – Hauptsache man kommt auf 100 bis 120 Mal pro Minute Drücken.“
Bernd Böttiger, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Rates für Wiederbelebung

Herzdruckmassage wichtiger als Defibrillator

Die Massage führt dazu, dass das Blut wieder zum Gehirn fließt, was wiederum verhindere, dass das Gehirn stirbt, erklärt der Mediziner.

Vor dem Einsatz eines Defibrillators warnt Bernd Böttiger hingegen. Seiner Einschätzung nach nutze das Gerät nur wenigen Menschen zusätzlich. Wenn andere Menschen da seien, die einen Defibrillator holen können, sollten sie das tun. Die Herzdruckmassage sollte aber unbedingt Vorrang haben.

  • Moderator:  Thilo Jahn
  • Gesprächspartner:  Bernd Böttiger, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Universität zu Köln und Vorstandsvorsitzender des Deutschen Rates für Wiederbelebung