Christoph wollte wissen, wie sich Chinesen auf Reisen in Europa fühlen - und ist kurzerhand mitgefahren. Zwei seiner Erkenntnisse: Europa wird als unsicher wahrgenommen. Der Umweltschutz ist im Vergleich zu China dagegen vorbildlich.

Chinesen besuchen Europa - das läuft dann klischeemäßig so ab, dass sie von einer Sehenswürdigkeit zu nächsten rasen. Während Europäer in drei Tage Lissabon oder in zwei Wochen die Provence erkunden, heißt es für manche chinesische Reisegruppen: Ganz Europa in zwölf Tagen. Und, ganz wichtig: Die Sehenswürdigkeiten müssen aufs Foto.

Christoph Rehage kennt China und die Chinesen, ist Tausende Kilometer durchs Land gewandert, spricht Mandarin. Er sagt von sich selbst, die Chinesen seien ihm vertraut. Und wenn er eine chinesische Reisegruppe in einer deutschen Stadt sieht, dann fühlt er sich mit ihnen verbunden, und er würde gerne mehr über sie erfahren: Wie finden sie es hier? Warum soll alles so schnell gehen? Ist es so, wie sie es sich vorgestellt haben?

Christoph hat beschlossen, an einer Europa-Reise für Chinesen teilzunehmen und darüber ein Buch zu schreiben. Das ist inzwischen auch erschienen - "Neuschweinstein" heißt es. Es war gar nicht so einfach für ihn als Deutschen, eine solche Reise zu finden. Am Ende hat das Buchen über ein Online-Portal geholfen.

Seine Mit-Reisenden lernte Christoph das erste Mal am Flughafen kennen - und das war ziemlich merkwürdig, sagt er, weil sich niemand mit ihm unterhalten hat.

"Ich wurde von anderen entweder als der Reiseleiter bezeichnet, der Übersetzer oder der Busfahrer. Letzteres hat meinen Mit-Reisenden besonders gut gefallen."
Christoph Rehage

Näher zusammen rückten sie, als sie ganz früh morgens bei schlechtem Wetter in der Münchner Innenstadt landeten und nichts zu tun hatten. Irgendwann legte sich dann auch die Irritation über Christophs Teilnahme. Schließlich gab es keine direkte, eindeutige Antwort darauf, warum um Himmels Willen ein Europäer mit Chinesen seine Heimat erkunden will.

Christoph hat sich darauf eingelassen, Teil einer Tourismus-Maschinerie zu sein, in der alles auf (auch speziell auf asiatische) Touris ausgerichtet ist. Negativ aufgefallen ist ihm: Man kümmert sich zwar um die Chinesen, aber eigentlich will man mit ihnen nichts zu tun haben.

Zum Beispiel ist der Busfahrer einige Fragen an die Reisenden losgeworden. Christoph sagt, die muss er schon länger gehabt haben - "aber anscheinend konnte er sie erst stellen, weil ich als Bindeglied dabei war". Überhaupt seien die Chinesen nette Menschen, da könne man sich auch einfach freuen, wenn man sie in Deutschland trifft.