Die Welt ist voller Menschen. Warum dann auf Reisen welche mitnehmen? Kunigunde und Maike sind gerne allein unterwegs, denn so lernt man besonders gut neue Menschen kennen, erklärt Kunigunde.

Kompromisse im Urlaub kommen für Kunigunde nicht in Frage – jedenfalls hat sie ihre vielen Reisen, die sie alleine unternommen hat, sehr genossen. Zum ersten Mal allein verreist ist Kunigunde während des ersten Studienjahrs. Sie war auf einem Zeltplatz auf Rügen. Heute arbeitet die 35-Jährige als Dolmetscherin. Nach einer Hochzeitsfeier in der Ferne hat sie direkt eine Weltreise angeschlossen – ganz ohne Begleitung.

"Ich habe durch das Alleinreisen viele Leute kennengelernt."
Kunigunde, reist gerne ohne Begleitung
Kunigunde, schätzt das Reisen ohne Begleitung
© privat
Kunigunde, schätzt das Reisen ohne Begleitung

Eigentlich ist es sehr sozial, alleine zu verreisen, findet sie. Sie hat viele Menschen auf Reisen zum ersten Mal getroffen. In ihrer Familie hat sie keine echte Reiseroutine mitbekommen.

Familiäre Vorbehalte

Sie muss ein bisschen überlegen: Nur einmal fand sie es während ihrer Reisen wirklich ungünstig, alleine zu sein. Da hat sie sich über einen Grenzbeamten geärgert, der sie abzocken wollte. Es hat aber nicht lange gedauert, bis sie sich darüber mit anderen Reisenden austauschen und sich damit ein bisschen entlasten konnte.

Maike ist 2019 nach Shenyang in Nordostchina gereist, um dort Deutsch zu unterrichten. Erster Langstreckenflug, zum ersten Mal außerhalb Europas, dann direkt nach China – und das alleine. Den Kollegen, der mit ihr geflogen ist, kannte sie zuvor nicht gut.

Sie hat den Zeitpunkt für ihren Auslandsaufenthalt bewusst gewählt: "Bei mir war es tatsächlich Pragmatik: jung, gesund und ungebunden." Ganz ohne Unterstützung wäre das nicht gegangen. Ihr damaliger Freund hat sich zum Beispiel um die Katzen und die Wohnung gekümmert. Heute ist Maike 32.

"In Amerika wäre ich eine unter Zehntausenden gewesen. Deutsch hat in China einen ganz hohen Stellenwert."
Maike, über den Respekt, den sie in China erfahren hat

Dann in China: Ein halber Zentimeter Feinstaub vor dem Fenster, umgeben von Kettenrauchern und schlechter Luft – es war wie ein Schock. Maike ist bei jeder Gelegenheit in Tränen ausgebrochen und sagt: "Ich habe mich am Anfang mutterseelenallein gefühlt." Wegen der Zeitverschiebung war sie sich anfangs nicht so sicher, wen sie wann anrufen kann.

Die große Freundlichkeit auf dem Campus, der Respekt ihrer Studierenden und das Gefühl, sich die Autonomie im fremden Land Schritt für Schritt zu erarbeiten, haben ihr geholfen. Nach ein paar Wochen kam eine Welle der Euphorie im fremden Land. Heute sagt Maike: "Ich habe gelernt, wie viel Angst wir Deutschen vor allem möglichen haben."

Ein spürbarer Mentalitätsunterschied

Die chinesische Mentalität sei, das Leben so nehmen, wie es kommt – eher unbekümmert und voller Lebensfreude. Das hat Maike beeindruckt. Sie selbst hat sich mit den politischen Umständen in China für den kurzen Zeitraum arrangieren können, sagt aber: "Ich musste mich daran gewöhnen, in einer Diktatur zu sein."

Die staatlichen Kontrollen aller Lebensbereiche allerdings waren hart. Monatelang hat Maike auf ihre Reise hingearbeitet. Eine besonders gute Erfahrung für Maike: Sie hat gelernt, fremden Leuten zu vertrauen, weil sie darauf angewiesen war.

Was für ihren China-Aufenthalt gilt, hat Maike vorher auch schon im Urlaub so gehalten: Sie hat keine Lust, im Urlaub Kompromisse zu machen. China musste sie im Januar 2020 wegen der Covid-19-Pandemie verlassen. Ihre Sachen sind immer noch dort.

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