Die Griessmühle ist einer der angesagtesten Clubs in Berlin. Aber der Location droht die Schließung. Bei Protesten gegen das Clubsterben forderten hunderte Menschen auch mehr Engagement der Politik, die Clubszene als Teil der Berliner Kultur gegenüber Investoren zu verteidigen.

Inzwischen scheint für die Griessmühle eine gute Lösung gefunden worden zu sein. Zwar läuft der Vertrag Ende des Monats aus und der Eigentümer will nach wie vor neue Büros dorthin bauen. Aber die Politik hat sich eingesetzt und bei Gesprächen zwischen Clubbetreiber und Investor erwirkt, dass geprüft wird, ob der Club in das Bebauungskonzept integriert werden kann. In der Zwischenzeit zieht er in eine andere Location.

100 Berliner Clubs mussten in den letzten 10 Jahren schließen

Soweit so gut. Zumindest für die Griessmühle. Damit ist aber das grundsätzliche Problem des Clubsterbens in Berlin nicht gelöst. Und genau diesen grundsätzlichen Aspekt hatten auch die 400 Demonstranten im Blick, die in dieser Woche in Berlin auf die Straße gingen, um gegen die Schließung zu protestieren. Über 100 Clubs mussten in den letzten zehn Jahren schließen, so Lutz Leichsenring von Clubcommission, dem Verband der Berliner Clubs.

"Über 100 Clubs mussten in den letzten 10 Jahren in Berlin schließen."
Lutz Leichsenring vom Verband Clubcommission

Die Zahl der Clubs in Berlin ist zwar innerhalb der letzten zehn Jahre gleich geblieben, zurzeit stünden aber einige sehr wichtige Läden auf der roten Liste, die exemplarisch für das Berliner Nachtleben und die Berliner Clubszene stehen.

Setzt Berlin seine Clubs und Kulturstätten aufs Spiel?

Lutz Leichsenring macht sich Sorgen, dass sich Berlin negativ entwickeln und einen Teil seiner Kulturstätten verlieren könnte. Einige Regulierung für Clubs sieht er kritisch, Ruhezeiten und Lebensqualität müssten kein Widerspruch sein.

"Wir wollen kein Berlin, in dem man vom Bürgersteig essen kann, bevor man um null Uhr den Bürgersteig hochklappt. Wir wollen zeigen, dass eine Stadt laut und lebenswert zugleich sein kann."
Lutz Leichsenring vom Verband Clubcommission

Die Politik hat das Problem offenbar auch erkannt. Zumindest sind Vertreter von SPD und CDU bei den Protesten gegen die Schließung der Griessmühle dabei gewesen. Darüber hinaus gibt es auch einige grundlegende Überlegungen. Unter anderem müsse bei Baugenehmigungen geschaut werden, dass Clubs zu guten Konditionen am Standort bleiben können, und nicht zugunsten neuer Wohnungen und Büros, so wie es Investoren gerne haben, verdrängt werden.

Tegel als Club-Location im Gespräch

Ein weiterer Aspekt, der aus dieser Debatte entstanden ist: Die Stadt schaut, ob der Flughafen Tegel, wenn er denn dann irgendwann mal nicht mehr in Betrieb ist, zu einer Club- und Eventlocation werden kann. Das wird in der Szene aber sehr kontrovers diskutiert, weil Tegel nun einmal zehn Kilometer außerhalb der Stadt liegt.

Die Grünen fordern, dass Clubs grundsätzlich als Kulturinstitutionen anerkannt werden. Dann wäre es schwieriger sie zu schließen, weil sie einen besseren Status hätten.