Die Welt produziert zu viel CO2. Wenn sich an dem Ausstoß nichts ändert, schreitet der Klimawandel massiv und schnell voran. Entweder, wir ändern unsere Lebensweise, oder wir finden andere Lösungen. Eine Idee ist es, das CO2 im Meeresboden der Nordsee zu speichern. Laut Forschenden würde das gehen.

Jeder Deutsche produziert im Schnitt mehr als elf Tonnen CO2 pro Jahr. Das kommt durch Autofahren, Flugreisen, Essen, unser Kaufverhalten oder durch Heizungs- und Stromverbrauch zusammen. Wenn wir diese Werte bis 2050 nicht auf eine Tonne CO2 pro Kopf reduzieren, werden wir die Folgen des Klimawandels deutlich spüren. Dazu wäre aber ein massiver und grundlegender Lebenswandel notwendig. Von allen! Und danach sieht es im Moment nicht aus.

Also wird nach anderen Lösungen gesucht. Die Idee, CO2 im Boden unter der Nordsee zu speichern, ist nicht neu. Seit Jahrzehnten arbeiten Forschende an dem Verfahren, das sich Verpressung nennt. Norwegen wendet es auch schon seit über 20 Jahren an. Die oben im Bild zu sehende Gasplattform Sleipner pumpt CO2 in den Boden. Das Prinzip ist in Großbritannien und in den Niederlanden bereits in Planung – von der deutschen Politik wird es bislang lediglich in Erwägung gezogen.

Platz für 240 Gigatonnen CO2

Ein Forscherteam vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel hat jetzt Untersuchungen durchgeführt und kommt zu dem Ergebnis, dass der Meeresboden unter der Nordsee ein guter Ort wäre, um CO2 zu speichern. Dort würden dann die CO2-Emissionen, die zuvor an Industrieanlagen abgefangen wurden, in den Boden gepresst. Untersuchungen zufolge würden 240 Gigatonnen CO2 in die Sedimente unter der Nordsee passen.

Geeignete Orte für CO2-Speicher gäbe es auch: Und zwar Gebiete in der Nähe von ehemaligen Erdöl- oder Erdgas-Bohrlöchern. Diese Gebiete seien gut erforscht, sagen sie. Wovon die Forschenden allerdings abraten, ist, die Speicher direkt in Gebieten, wo Bohrlöcher sind, anzulegen. Dort gebe es nämlich zu viele Risse und Löcher. Dort sei die Gefahr zu groß, dass das Gas wieder austritt.

Umweltschützer warnen vor Eingriff in das Ökosystem

Durch entweichendes CO2 könnte das Wasser sauer werden, was schlecht für die Tier- und Pflanzenwelt wäre. Und das ist einer der wesentlichen Kritikpunkte an diesem Prinzip der CO2-Speicherung. Umweltschützer sprechen von einem massiven Eingriff in das natürliche Ökosystem. Diese Meinung vertritt auch Greenpeace. Die Umweltschützer stellen die Frage, ob das Kohlendioxid auch im Meeresboden bleibt. Sie befürchten, dass das Treibhausgas entweichen und den Organismen im Meer schaden könnte. Sogar von Todeszonen in den Meeren ist die Rede.

Genau diesen Aspekt haben die Forschenden jetzt untersucht. Dazu haben sie mit Hilfe eines Tauchroboters zwischen Schottland und Norwegen in etwa 80 Metern Tiefe kontrolliert CO2 auf dem Boden der Nordsee abgeben lassen. Dabei hat sich gezeigt, dass sich CO2 innerhalb von zwei Metern über dem Meeresboden im Wasser auflöst. Das heißt, wenn gespeichertes CO2 austreten würde, wären nur die Tiere oder Pflanzen in direkter Nähe betroffen.

"Die starke Bodenströmungen verteilt das CO2 rasch, so dass dies Fläche am Meeresboden, auf der potenziell schädliche Auswirkungen auftreten können, gering ist."