Wir können unser Gehirn trainieren und unsere Muskeln, aber die Fähigkeit Nein zu sagen? Auch die können wir schulen, sagt der Coach Attila Albert – und verrät seine Trainings-Tipps.

Unser Gehirn halten wir durch das Lesen von Büchern oder das Lösen von Rätseln fit, und unsere Muskeln trainieren wir, indem wir Sport machen. Doch unsere Unabhängigkeit? Im Alltag denken wir vermutlich wenig daran, auch sie ein wenig zu trainieren. Dabei kann uns Unabhängigkeit dabei helfen, öfter mal Nein zu sagen.

Coach Attila Albert nennt Gründe, warum es uns schwer fällt, Nein zu sagen: "Ich möchte niemanden wehtun, niemandem zu Nahe treten und keinen falschen Eindruck machen."

Zum Nein sagen bräuchten wir eine gewisse Unabhängigkeit, die wir schrittweise üben können.

So können wir das Neinsagen trainieren

Schritt 1: Die eigenen Wünsche erkunden

Egal ob es um den Job, Beziehungen oder Freundschaften geht: Es gehe nicht darum, Maximalforderungen durchzusetzen, so Atilla Albert, sondern darum, so zu verhandeln, dass es uns gut geht. Deshalb müssten wir uns zunächst darüber klar werden, was wir überhaupt wollen. "Die meisten Menschen wissen es eigentlich ganz gut, trauen sich aber oft nicht, das zu sagen," erklärt er.

Schritt 2: Kompatibilität und Artikulation prüfen

Wenn wir der Freundin sagen, dass wir lieber einen Kaffee trinken wollen, als stundenlang Chat-Nachrichten zu schreiben, dann machen wir das nicht, um sie vor den Kopf zu stoßen. Vielmehr würden wir damit Platz schaffen, um etwas anderes mit unseren Ressourcen machen zu können, so der Coach. "Ein Nein ist ein Ja zu dir selbst".

Doch damit wir diesen Raum bekommen, muss unser Gegenüber von unseren Bedürfnissen wissen. Deshalb sei die Artikulation der eigenen Wünsche sehr wichtig, sagt Attila Albert. Üben könnten wir das, indem wir in einfachen Situationen unsere Meinung sagen.

Oft würde es uns es schwer fallen, in konkreten Situationen schlagfertig zu reagieren, sagt Attila. Deshalb empfiehlt er uns, typischen Nein-Ansagen, wie beispielsweise "Das passt mir nicht", oder "Können wir machen, aber nicht so" aufzuschreiben und immer wieder zu üben. So könnten wir diese Sätze dann sicher aussprechen, wenn wir sie bräuchten.

Schritt 3: Praktische Unabhängigkeit erlangen

Nur, wer es sich leisten könne, kann auch Nein sagen, so Attila Altmann. Wenn wir beispielsweise auf einen Job finanziell angewiesen seien, dann könnten wir vorerst nicht so einfach Nein sagen und damit die Arbeitsstelle riskieren.

Aber: Wir könnten aktiv werden und beispielsweise Bewerbungen schreiben. So könnten wir uns die Möglichkeit Nein zu sagen schaffen und uns so bewusst für den Job, also für ein Ja, oder für eine Kündigung, also ein Nein, entscheiden, so der Coach. "Um, wenn ich bleibe, freiwillig bleiben zu können, aber auch gehen zu können" – und das würde für zwischenmenschliche Beziehungen ebenso gelten.