Sie soll helfen Infektionsketten nachzuvollziehen und vorzubeugen: die Corona-App. Angekündigt war sie schon für Mitte April. Jetzt kommt sie - und hält wohl die Datenschutz-Versprechen.

Lange war sie schon geplant, doch wie sie genau aussehen und was damit möglich sein sollte, das war lange unklar. Ab morgen (16. Juni 2020) kann sich nun jeder der möchte, die Corona-App herunterladen.

"Die Daten sind gut gesichert. Denn sie werden nicht - wie anfangs geplant - in einer zentralen Datenbank gesammelt."
Christina Sartori, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Anfangs gab es viel Kritik für die geplante App, denn die dort erfassten Daten sollten in einer zentralen Datenbank gesammelt werden, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Christina Sartori. Darum habe sich die Wartezeit auch verlängert. Das Ergebnis sei aber dafür umso besser: Experten des Chaos Computer Clubs und der Gesellschaft für Informatik halten den Programmcode der App jetzt für vorbildlich.

Warnung über Bluetooth

Das Prinzip der App ist einfach: App runterladen, Bluetooth anschalten und schließlich anonym eingeben, falls man positiv auf das Corona-Virus getestet wurde. Die App muss dafür nicht die ganze Zeit geöffnet sein. Weiterer Pluspunkt: auch wenn die App Bluetooth verwendet, ist es möglich gleichzeitig über Bluetooth-Kopfhörer Musik auf dem Handy zu hören. Die App soll den Akku nicht sehr belasten.

QR-Codes sollen Fake-Meldungen verhindern

Sobald eine Person positiv auf Corona getestet wurde, bekommt sie einen QR-Code. Den kann sie in die App eingeben, wenn sie möchte - und ihre Kontaktpersonen werden gewarnt. Die QR-Codes sollen den Wahrheitsgehalt der Corona-Meldung bestätigen. Bald sollen alle Labore solche Codes ausgeben können. Bis dahin könne man auch die Hotline anrufen, die mit verschiedenen Fragen herausfindet, ob eine Person wirklich an Corona erkrankt ist.

"Die App warnt nur Kontakte, die 15 Minuten oder länger in der Nähe der erkrankten Person waren. Die App registriert auch, wenn eine Wand oder Plexiglas-Scheibe zwischen zwei Handys war."
Christina Sartori, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Sobald die erkrankte Person ihren QR-Code in der App eingegeben hat, werden alle relevanten Kontakte benachrichtigt. Also: Alle, die länger als 15 Minuten Kontakt mit dieser Person hatten und nah genug an ihr dran waren. Die App registriert, ob zum Beispiel eine Wand oder eine Plexiglas-Scheibe zwischen den Personen war. Eine solche Person würde nicht benachrichtigt werden.

Grenzen der Messbarkeit

Trotzdem hat die App Grenzen. Sie kann nicht registrieren, ob eine Person einen Mundschutz getragen hat oder ob sie gesprochen hat, während sie in der Nähe war. All das wirkt sich aber auch das Infektionsrisiko aus. "Wenn ich also eine Warnung bekomme, dann muss das nicht heißen, dass ich infiziert bin", sagt Christina Sartori. Nach der Warnung sollte man am besten erstmal den Hausarzt anrufen oder sich beim Gesundheitsamt melden.

App funktioniert anonym und freiwillig

Bei einer Warnung nennt die App nur den Ort und den Tag einer möglichen Infizierung - die Person bleibt anonym. "Man muss also selbst durchgehen, mit wem man Kontakt hatte und in welcher Form man sich angesteckt haben könnte", sagt Christina Sartori.

Die App ist absolut freiwillig. Das betonte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht in der Pressekonferenz. Weder solle es Vorzüge für Nutzer der App geben, noch sollen Nachteile für diejenigen entstehen, die sie nicht nutzen wollen - etwa Zugangsverbote zu Restaurants.

Christina Sartori, Deutschlandfunk Nova
"Die App ist nicht wie ein Mundschutz. Sie ist nur ein Baustein von mehreren um das Virus einzudämmen."

Je mehr Menschen die App verwenden, desto größer ist zwar ihr Nutzen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in der Pressekonferenz, die App würde auch dann schon helfen, wenn weit weniger als 60 Prozent der Bürger sie installieren.

Ein Allheilmittel ist die App trotzdem nicht, sagt Christina Sartori. Allerdings kann sie gerade in der ersten Phase, in der Infizierte besonders ansteckend sind, dafür sorgen, dass Menschen vorsichtiger sein können.