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Nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie sind viele von uns in einer Grundstimmung, die sich nicht so hundertprozentig beschreiben lässt. Es ist keine "richtige" Depression, es ist aber auch kein "normales" Gefühl wie vor der Pandemie.

Viele von uns fühlen sich erschöpft, können sich schlechter konzentrieren als früher, haben auch nicht mehr so viel Spaß an Sachen, die vor Corona Spaß gemacht haben. Von einer Depression oder einem Burnout nach einem Jahr Corona zu sprechen, geht wohl zu weit. Trotzdem: Normal ist das auch nicht.

"Absence of well-being"

Es ist irgendetwas zwischen Normalzustand/Zufriedenheit und Depression, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthis Dierkes. Einige Soziologen nennen den Zustand "languishing", was so viel heißt wie "ermattend". Die New York Times umschreibt es auch mit "the absence of well-being". Wir kommen irgendwie klar und sind in der Regel auch nicht verzweifelt oder hoffnungslos - es geht uns also nicht so schlecht, dass wir morgens nicht mehr aus dem Bett kommen oder so. Insgesamt laufen wir aber irgendwie auf Sparflamme.

"Wir sind nicht hoffnungslos - aber wir laufen irgendwie auf Sparflamme."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Wenn es euch ähnlich geht: Mit diesem Gefühl seid ihr nicht allein, an der Corona-Erschöpfung leiden weltweit Millionen Menschen. Das Wichtigste sei zunächst einmal, diese Corona-Erschöpfung zu erkennen und zu akzeptieren, sagen Psychologinnen und Psychologen.

Die Corona-Erschöpfung akzeptieren

Ignorieren und einfach so weitermachen sei keine gute Idee. Stattdessen sollten wir die Situation so annehmen, wie sie ist und mit der Familie, mit Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen darüber sprechen. Vielleicht können wir beim nächsten Spaziergang oder Video-Call auf die Frage "Wie geht es dir?" versuchen, ehrlich zu antworten und einzugestehen, dass wir uns nicht so gut fühlen.

Für viele Menschen fühlt es sich aber immer noch falsch an, sich über die eigene Situation zu beschweren. Weil sie an Leute denken, denen es viel schlechter geht: Menschen, die selbst an Corona erkrankt sind, die Angehörige oder Freunde verloren haben oder durch die pandemiebedingten Einschränkungen um ihre Existenz bangen müssen.

Die Journalistin Theresa Bäuerlein beschreibt es in einer Kolumne so: "Zu klagen, fühlt sich komisch an, wenn man zu den eigentlichen Glücklichen gehört, die nicht gerade krank sind oder kranke Menschen betreuen müssen."

Dürfen wir uns überhaupt beschweren?

Während zu Beginn der Pandemie die Aussage einer Studentin, sie vermisse es, dreimal pro Woche feiern zu gehen, noch einen Riesen-Shitstorm nach sich zog, hat sich die Situation inzwischen schon ein bisschen verändert, glaubt Matthias Dierkes. Die meisten habe im letzten Jahr Einschränkungen erlebt.

"'Ich vermisse es total, ins Fitnessstudio zu gehen, auf ein Konzert oder mal wieder am Strand zu sein.' Solche Aussagen können mittlerweile viel mehr Menschen nachvollziehen als zu Beginn der Pandemie."
Matthis Dierkes, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Was ihr tun könnt, um ein Stück weit aus der Corona-Erschöpfung herauszukommen, ist individuell verschieden. Die Psychologie bietet ein interessantes Konzept dafür an: "Flow". Dabei geht es darum, zu versuchen, sich in irgendeine schöne Aufgabe zu vertiefen. Das kann etwas Berufliches sein, genauso wie ein 1000-Teile-Puzzle. Das Wichtigste dabei: Konzentriert euch auf die Aufgabe, lasst euch nicht ablenken, legt euer Smartphone zur Seite und verzichtet mal einen Moment auf die Eilmeldungen.

Die Pandemie ist - wahrscheinlich noch lange - nicht vorbei. Und auch danach wird es nicht einfach so weitergehen wie vorher. Über psychische Gesundheit kann man nicht genug reden und aufklären – das gilt in und nach einer solchen Pandemie wahrscheinlich ganz besonders, glaubt Matthis Dierkes.