Soll ich mich gegen das Corona-Virus impfen lassen oder nicht? Viele Menschen haben Bedenken. Unter Menstruierenden kursiert etwa die Angst, dass eine Corona-Impfung zu Unregelmäßigkeiten im Zyklus führen könnte. In Großbritannien fordert jetzt eine Frauenärztin im Wissenschafts-Magazin BMJ: Das müssen wir untersuchen!

Die Gynäkologin Victoria Male mache sich insgesamt keine Sorgen um die Impfung, erklärt Veronika von Borries aus den Deutschlandfunk-Nova-Wissenschaftsnachrichten: "Sie sagt, selbst wenn eine Impfung tatsächlich diese Unregelmäßigkeiten im Zyklus auslöst, dann sind die nicht schwerwiegend und auch für die Betroffenen kein Grund, auf eine Impfung zu verzichten. Aber damit sind wir auch schon bei dem Punkt, der ihr wirklich Sorgen macht, und das ist die Akzeptanz der Impfung."

Sorgen um Akzeptanz der Impfung

Die Frauenärztin ist der Meinung, die Bedenken von menstruierenden Menschen müssten Ernst genommen werden. Denn schließlich gebe es Personen, die darauf angewiesen sind, ihren Zyklus genau zu kennen – entweder, weil sie schwanger werden wollen oder weil sie eine Schwangerschaft vermeiden möchten. "Die sollten also Bescheid wissen, dass es da vielleicht zu Verschiebungen kommen kann", sagt Veronika von Borries.

Berichte über den veränderten Zyklus

In Großbritannien sammelt die Arzneimittelaufsicht Hinweise über Veränderungen im Zyklus nach einer Impfung. Da gibt es etwa Berichte, dass die Blutung früher oder später eingesetzt hat als gedacht, dass sie stärker oder schwächer war – oder auch, dass plötzlich spontane Blutungen auftraten. Insgesamt hat die Behörde etwa 30.000 Berichte dazu erhalten. In dem Zeitraum wurden mehr als 47 Millionen Impfdosen verabreicht.

"Im Untersuchungszeitraum in Großbritannien wurden mehr als 47 Millionen Impfdosen verabreicht, da sind 30.000 Fälle weniger als ein Promille."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova

In Deutschland meldet das Paul-Ehrlich-Institut bei etwa 92 Millionen verabreichten Dosen nur etwas mehr als 300 Fälle. "Das hängt mit den unterschiedlichen Methoden zusammen, wie diese Berichte über Nebenwirkungen gesammelt werden", erklärt Veronika. Statistisch gesehen seien das nicht viele Fälle – vor allem wenn man bedenkt, dass ein unregelmäßiger Zyklus häufig vorkommt und verschiedene Gründe haben kann. Etwa wenn Frauen Stress haben oder wenn sie krank sind, auch ein Symptom der Wechseljahre kann es sein.

"Man bräuchte einfach viel viel mehr Fälle, um sagen zu können: Eindeutig, die Corona-Imfpung hat als Nebenwirkung Veränderungen bei der Regel."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova

Die britische Gynäkologin sagt jedoch, es könnte etwas dran sein. Sie argumentiert, dass die Berichte über veränderte Regelblutungen bei allen Impfstoffen etwa gleich verteilt auftreten. Demnach sei es eher unwahrscheinlich, dass es ein Inhaltsstoff in einem Impfstoff ist, der solche Reaktionen auslöst. Wahrscheinlicher sei es, dass sie mit der Immunreaktion im Körper zusammenhängen.

"Das liegt auch deshalb nahe, weil man aus der Behandlung von Frauen, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, weiß, dass es bei diesen Frauen auch häufiger mal zu Unregelmäßigkeiten in der Periode kam", sagt Veronika von Borries, "und diese Reaktion des Körpers auf das echte Virus und die Reaktion auf das abgeschwächte Virus oder die Viruspartikel im Impfstoff, die ähneln sich."

Dieser Zusammenhang müsste jedoch gezielt untersucht werden. In den USA haben die Gesundheitsbehörden für eine solche Studie inzwischen Geld bereitgestellt.

"In den allermeisten Fällen ist die Periode, wenn sie einmal etwas verändert war nach einer Impfung, dann beim nächsten Mal wieder ganz normal. Das ist also nichts Besorgniserregendes."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova

Unter Impfgegnern oder Skeptikern kursiert auch die Angst, dass sich das Vakzin auf die Fruchtbarkeit von Frauen auswirken könnte. Auch zu diesen Ängsten äußert sich die britische Ärztin in ihrem Artikel. Sie arbeitet an einem Zentrum für Fortpflanzungsmedizin und sagt: Es gebe zur Zeit weder weniger ungewollte noch weniger gewollte Schwangerschaften. Und auch die Erfolgsquoten in den Fortpflanzungskliniken korrelierten nicht mit dem Impfstatus.

"Es gibt keinen statistischen Unterschied zwischen geimpften Frauen und ungeimpften Frauen, wenn es darum geht, ob sie durch eine künstliche Befruchtung zum Beispiel schwanger werden oder nicht."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova

Die Angst sei unbegründet, aber genau deswegen wäre es gut, wenn es eine solide Studie gäbe, die betroffenen Frauen die Angst nimmt, findet die Ärztin Victoria Male.

Diejenigen, die nach einer Impfung feststellen, dass es Unregelmäßigkeiten im Zyklus gibt, können folgendes tun:

  • Vom Arzt oder von der Ärztin abklären lassen, was der Hintergrund sein könnte.
  • Als Nebenwirkung melden - In Deutschland geht das auf der Seite vom Paul-Ehrlich-Institut. Das sammelt alle Berichte über mögliche Nebenwirkungen und die fließen dann auf jeden Fall in die Statistik ein.