Damit Intensivstationen nicht an ihre Kapazitätsgrenzen kommen, fordern Medizinerinnen und Mediziner, das öffentliche Leben stark einzuschränken – wie im März 2020. Denn steigende Fallzahlen sorgen etwa drei Wochen später für volle Intensivstationen.

Die deutschlandweite Sieben-Tage-Inzidenz ist seit Wochen weit von dem ursprünglich anvisierten Wert von 50 oder sogar 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern entfernt. Stattdessen nehmen die Neuinfektionen weiter zu.

Für die Intensivstationen heißt das: Es wird eng mit den Betten. In den letzten drei Wochen ist die Zahl der Covid-19-Patientinnen und -Patienten dort um 64 Prozent angestiegen. Aktuell werden rund 4500 Menschen wegen Covid-19 auf der Intensivstation behandelt (Stand: 9. April 2021 15.15 Uhr).

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Im Moment sind insgesamt 1.600 Intensivbetten speziell für Covid-19-Erkrankte frei. Weitere rund 2.100 Betten werden für Menschen freigehalten, die nicht an Covid-19 erkrankt sind und beispielsweise nach einem Herzinfarkt oder einem schweren Verkehrsunfall auf der Intensivstation behandelt werden, erklärt Dlf-Korrespondent Panajotis Gavrilis aus dem Hauptstadtstudio.

64 Prozent mehr Intensivpatienten

Bei 25.000 Neuinfektionen pro Tag sei es wahrscheinlich, dass zwei bis drei Wochen später 350 bis 750 neue Covid-19-Erkrankte dort eingeliefert werden, sagte Gernot Marx, der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, auf einer Pressekonferenz.

Mehr jüngere Menschen auf der Intensivstation

Geht die aktuelle Entwicklung weiter, könne der Höhepunkt mit knapp über 5.700 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen von Januar 2021 schon bald übertroffen werden. Zumal die Erkrankten jünger würden, im Durchschnitt seien sie mittlerweile zwischen 40 und 70 Jahre alt. Bei den unter 50-Jährigen würde jede fünfte Intensivpatientin sterben, bei den Älteren sei es jeder Zweite.

"Das ist auch kein Horrorszenario, sondern das ist die bittere Realität: Die Intensivmediziner sagen, man muss bis Ende April mit mehr als 5000 Corona-Patienten auf den Intensivstationen rechnen."
Panajotis Gavrilis, Dlf-Korrespondent im Hauptstadtstudio

Die Intensivmedizinerinnen und Intensivmediziner fordern deshalb schnellstmöglich einen harten Lockdown. Dieser solle besser heute als morgen beginnen, betonte Gernot Marx. Für zwei bis drei Wochen brauche es einen Lockdown wie zu Beginn der Pandemie: Leere Straßen, keine Mobilität, am besten auch geschlossene Schulen und Kitas.

Ziel sei es, jetzt Zeit zu gewinnen, damit möglichst viele Menschen geimpft und schwere Verläufe verhindert werden, so der Appell.