Das Mainzer Unternehmen Biontech testet bereits an tausenden Probanden einen möglichen Impfstoff gegen Covid-19. Außerdem gibt es kleinere Studien mit weniger Probanden. Eine der Testpersonen hat uns erzählt, wie das genau abläuft.

Noch nie wurde Journalist Joe (Name von der Redaktion geändert) so genau untersucht, wie eine Woche vor seiner Teilnahme an der Impfstoff-Studie. Er musste einen Drogen-, HIV- und einen Hepatitis-Test machen.

Bei der Anamnese, einem Vorgespräch mit dem Arzt, wurde Joe sehr detailliert nach Vorerkrankungen, sowohl bei ihm selbst als auch in der Familie, gefragt. In vielen Untersuchungen wurde erst einmal festgestellt, ob Joe körperlich gesund ist, um überhaupt zur Impfstoff-Studie zugelassen zu werden.

Außerdem musste Joe einen 31-seitigen Vertrag mit dem Pharmaunternehmen und eine 30-seitige Versicherung unterzeichnen. Eine Woche später – an dem Tag, an dem er den Impfstoff gespritzt bekommen hat – wurde er erneut mehrfach untersucht.

"Nie habe ich so genau in mich hineingehört wie da. Das wird dann noch dadurch verstärkt, dass ständig ein Arzt im Vorbeigehen fragt: 'Geht es ihnen gut'?"
Joe, Journalist und Teilnehmer an einer Impfstoff-Studie

Nachdem Joe den Impfstoff gespritzt bekommen hatte, wurde er im Abstand von einer, drei und sechs Stunden noch einmal komplett untersucht.

Erst als festgestellt wurde, dass sich nichts an seinem Gesundheitszustand und an seiner Temperatur geändert hatte, wurde Joe entlassen. Zuvor hat er noch einen Notfall-Ausweis mit Informationen über die Imfpung erhalten, falls es ihm durch Nebenwirkungen doch plötzlich schlechter gehen sollte.

Am folgenden Morgen wurde er dann ein weiteres Mal von Medizinern durchgecheckt. Einige Tage später wurde sein Gesundheitszustand noch einmal telefonisch abgefragt. Joe führte außerdem ein Gesundheits-Tagebuch. Viele weitere Besuche beim Arzt folgten, um sicherzustellen, dass seine Gesundheit durch den Impfstoff nicht beeinträchtigt wurde.

Impfstoff-Studie dauert ein ganzes Jahr an

In zwei Wochen wird Joe eine weitere Dosis des Impfstoffes injiziert. Im Dezember wissen die Studienautoren dann, wie der Impfstoff wirkt und in welcher Menge er verabreicht werden sollte.

Für Joe geht die Studie dann allerdings noch weiter bis zum Herbst des kommenden Jahres. Mögliche Nebenwirkungen und sein Gesundheitszustand werden ein Jahr lang dokumentiert. Empfohlen ist auch, frühestens nach 60 Tagen wieder Kinder zu zeugen.

"Ich hatte weder erhöhte Temperatur, noch andere naheliegende Symptome. Selbst die Einstichstelle hat nicht länger als eine Stunde weh getan."
Joe, Journalist und Teilnehmer an einer Impfstoff-Studie

Nach der zweiten Impfung wird Joe in den folgenden Stunden und Tagen wieder sehr genau überwacht werden. Danach folgen nur noch Nachuntersuchungen, immer wieder mal soll Blut abgenommen werden, um sich das gesamte Blutbild anzuschauen.

Ziel der Studie ist es, festzustellen, ob Joe Antikörper entwickelt hat und wie hoch die Konzentration der Antikörper in seinem Blut ist. Außerdem werden die Probanden der Studie beschreiben, ob und welche Nebenwirkungen sie nach der Impfung hatten.

Diese Kombination aus der Zahl der Antikörper und der Häufigkeit von Nebenwirkungen dient dann als Grundlage, um darüber zu entscheiden, ob die verabreichte Dosis des Impfstoffs sinnvoll war, sagt Joe.

Als immun gilt Joe jedoch nicht

Teilnehmende der Studie könnten darauf spekuliert haben, dass sie nach der Impfung immun sein könnten. Joe sagt, dass die Mediziner ihn ausdrücklich darüber informiert hätten, dass er nicht davon ausgehen darf, danach immun zu sein. Denn noch ist ja nicht klar, ob die verabreichten Dosen wirklich ausreichend sind.