Je länger die Pandemie andauert, desto mehr scheint sich die Gesellschaft zu spalten. Oliver Decker ist Rechtsextremismusforscher und erklärt, was wir tun können, um ein weiteres auseinanderdriften zu verhindern.

Folgt auf eine Impfpflicht für Personal in Kliniken und Pflegeeinrichtungen eine allgemeine? Was bis vor wenigen Wochen noch ausgeschlossen schien, scheint bald so einzutreffen. Denn noch in dieser Woche soll der Bundestag über die erste berufsspezifische Impfpflicht abstimmen. Gelten soll die dann ab dem 15. März 2022.

Nicht alle Menschen im Land sind mit den Corona-Maßnahmen der Bundesregierung einverstanden. Einige protestieren dagegen auf der Straße. Doch es kommt auch immer wieder zu Übergriffen auf Journalist*innen und zuletzt auch auf eine Politikerin. Allgemein ist von einer polarisierten, oft auch einer gespaltenen Gesellschaft die Rede.

"Ein wichtiger Punkt, der auf Dauer etwas Kraft kostet, ist es, die Debatte weiterführen zu müssen. Es muss eine Auseinandersetzung geben."
Rechtsextremismusforscher Oliver Decker über die gesellschaftliche Spaltung

"Beim Stoppen der Radikalisierung von Menschen gibt es keine schnelle Lösung", sagt Oliver Decker. Er ist Rechtsextremismusforscher und davon überzeugt, dass uns das Problem noch eine ganze Zeit lang beschäftigen wird. Deshalb halte er einen gesellschaftlichen Diskurs darüber und eine Auseinandersetzung mit der Thematik für absolut nötig.

Corona-Diskussion: Wenig schwarz-weiß und sehr viel grau

"Es ist ganz klar, wenn es eine extreme Rechte ist, die sich organisiert und die Grenzen überschreitet, dann müssen diese Verstöße auch geahndet werden", sagt er. Doch im Bereich von Querdenker*innen bis hin zu Impfkritiker*innen gebe es nicht nur schwarz-weiß, so Oliver Decker. "Es gibt einen sehr, sehr großen Graubereich. Hier müssen wir aufpassen, dass wir nicht durch Maßnahmen, die ergriffen werden, einer weiteren Polarisierung Vorschub leisten", sagt er.

"Es muss immer berücksichtigt werden, dass es ein Meinungsspektrum gibt. Deshalb muss eine breite öffentliche Debatte geführt werden."
Rechtsextremismusforscher Oliver Decker über den Corona-Diskurs

Damit die Menschen, die aus Angst vor der Pandemie in diesen Graubereich fallen, nicht in ein rechtsextremes und antidemokratisches Verhalten verfallen, müssten Debatten das breite Meinungsspektrum in der Bevölkerung abdecken. Außerdem müsste der Diskurs noch stärker öffentlich stattfinden, so der Rechtsextremismusforscher.

Er rät außerdem dazu, sich auch immer wieder selbst überprüfen. "Oft sind es Mischformen an Verhalten. Wir müssen uns immer wieder aufs Neue prüfen: 'Wie viel Solidarität ist dabei? Wie viel ist aber auch autoritäre Aggression? Und wir müssen auch schauen: Befeuern wir es so, dass es zu einer Polarisierung kommt?', sagt Oliver Decker.