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Die Zahl der Neuinfektionen sinkt – und das rasant. Warum das so ist und ob wir langfristig auf ein Pandemie-Ende hoffen können, weiß der Modellierer Thorsten Lehr.

Volle Cafés, offene Fitnessstudios, Menschen auf den Straßen – der Alltag in Deutschland beginnt wieder. Bleibt das so, ist die Pandemie jetzt zu Ende? Oder müssen wir uns trotz Impfung auf die berühmten Infektionswellen einrichten?

Thorsten Lehr ist Pharmazie-Professor an der Universität des Saarlandes, Experte für Infektionserkrankungen und hat einen Covid-Simulator entwickelt. Er kennt sich also mit Modellberechnungen für die Corona-Pandemie aus und sieht drei Gründe für die stark zurückgehende Zahl der Neuinfektionen: einen harten Lockdown, immer mehr geimpfte Menschen und gutes Wetter.

"Wir hatten einen sehr harten Lockdown, das dürfen wir nicht vergessen."
Thorsten Lehr, Modellierer

Gerade die Effekte des Lockdowns dürfe man nicht vergessen, sagt der Experte: "Wir hatten sogar Ausgangsspeeren, über die sich viele beklagt haben. Aber diese Maßnahmen waren letztendlich sehr wirksam." Aktuell gebe es zudem viele Zweitimpfungen.

"Dass es im Moment so gut läuft, liegt vor allem daran, dass wir bei den Impfungen ganz schön Gas geben."
Thorsten Lehr, Modellierer

Viele Menschen gelten jetzt oder in absehbarer Zeit als vollständig geimpft und sind so verhältnismäßig gut gegen verschiedene Varianten von Covid-19 geschützt. Zuletzt verhindert das warme und trockene Klima einen Anteil von Infektionen, da wir uns bei gutem Wetter mehr draußen aufhalten.

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Prognose: Stagnierende Zahlen und ruhiger Verlauf im Sommer

Thorsten Lehr und sein Team hatten eine Entwicklung dieser Art erwartet und für Ende Mai und Anfang Juni eine Inzidenz von rund 50 prognostiziert. Dass die Zahlen in der Realität so extrem sinken, liegt vor allem an den Impfungen, sagt er – und geht davon aus, dass die Abnahme der Neuinfektionen bald durch die Öffnungen stagniert.

"Ich gehe auch davon aus, dass die Zahlen in nächster Zeit wieder stagnieren werden."
Thorsten Lehr, Modellierer

Die Lockerungen seien aber menschlich und verständlich. Für den Sommer erwartet der Wissenschaftler einen ruhigen Verlauf der Pandemie. "Wir müssen jetzt aber ein bisschen aufpassen", so Lehr. Am Beispiel Großbritanniens könne man sehen, dass es trotz Impfungen wieder zu steigenden Zahlen kommen kann – dort breitet sich gerade die Delta-Variante (B.1.617.2) aus, die durch den Ausbruch in Indien bekannt wurde.

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Leichte vierte Welle im Herbst ist möglich

Eine vierte Welle im Herbst schließt Thorsten Lehr auch in Deutschland nicht aus – allerdings in einer anderen Qualität als die vorherigen Wellen. Denn viele Menschen sind schon geimpft, und es werden täglich mehr.

Das bedeutet auch: Menschen, die sich trotz Impfung anstecken, haben einen leichteren Krankheitsverlauf, gerade Menschen mit Vorerkrankungen. Deswegen wird das Gesundheitssystem bei steigenden Zahlen wahrscheinlich nicht mehr so belastet werden wie in der Vergangenheit.

"Ich kann mir gut vorstellen, dass wir vielleicht einen leichten Anstieg sehen werden, eine leichte vierte Welle. Aber ich glaube, dass die von der Qualität her eine ganz andere sein wird, als wir in den vorherigen Wellen gesehen haben."
Thorsten Lehr, Modellierer

Sorgen mache es ihm, wenn Reproduktionswerte wieder größer als eins werden, sagt Thorsten Lehr - was durch Impfen verhindert werden könnte. "Es ist extrem wichtig, zu impfen", sagt Thorsten Lehr - und das je nach Impfstoff nicht nur einmal. Denn eine vollständige Impfung biete auch besseren Schutz vor den Mutanten, die noch kommen können.

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