Antigen-Schnelltests können ins Geld gehen. Im Netz gibt es jetzt das Angebot, innerhalb von wenigen Minuten selbst zur Testperson zu werden, die für andere Testbescheinigungen ausstellt. Dagegen gibt es Kritik. Auch, weil niemand kontrolliert, ob wirklich getestet wurde.

In den Klub, das Fitnessstudio oder Kino, kommen wir weiter nur mit einem 3G-Nachweis rein. Mitte Oktober sind die kostenlosen Antigen-Schnelltests aber weggefallen. Wer also ein negatives Testergebnis als Nachweis vorzeigen muss, zahlt die Kosten für den Antigen-Schnelltest selbst.

Die Preise der Schnelltests sind nicht reguliert und können je nach Anbieter unterschiedlich hoch sein. Manche Testzentren berechnen für den Schnelltest 11,50 Euro, andere wie etwa Apotheken nehmen dafür 20 Euro.

Fachperson für Corona-Schnelltests in 15 Minuten?

Klar ist: Das Testen kann auf Dauer teuer werden. Als die Seite "Test-Express" dann anfing, damit zu werben, in 15 Minuten eine zertifizierte "Fachperson" zu werden, die für andere Schnelltest-Bescheinigungen ausstellen kann, kam erst in Social Media und später dann in anderen Medien viel Kritik auf.

Denn: Um auf der Seite eine zertifizierte Testperson für Corona-Schnelltests zu werden, schaut man sich gegen eine Gebühr von zehn Euro für 15 Minuten ein Videotutorial an. Im Anschluss erhält die angehende Testperson ein Zertifikat, das sie auf der Seite hochladen kann. Mehr braucht es nicht.

"Im Grunde muss man sich gegen eine Gebühr ein 15-minütiges Videotutorial angucken, dann bekommt man ein Zertifikat und schon ist man zertifizierter Tester."
Manfred Götzke, Deutschlandfunk Nova

Diese Testperson kann dann die Daten von einer getesteten Person auf der Seite eintragen. Für eine Gebühr von 1,99 Euro bekommt die getestete Person eine entsprechende Testbescheinigung per E-Mail zugeschickt. Der Anbieter bezeichnet das Verfahren auf seiner Seite als legal. Die Testbescheinigungen würden den Anforderungen der 3G-Regeln entsprechen.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Manfred Götzke hat die Online-Schulung zur Testperson im Selbstversuch ausprobiert. Gegen die Gebühr hat er sich das Videotutorial angesehen, in dem erklärt wird, wie die gängigen Corona-Tests funktionieren, wie es sich mit den Hygieneregeln verhält und auch wie die Entsorgung der Tests ablaufen sollte.

Als er damit fertig war, bekam er automatisch seine Bescheinigung als Testperson und konnte direkt die ersten Testbescheinigungen auf dem Portal ausstellen.

Testbescheinigung auch ohne Test möglich

Was dort nicht überprüft wurde, ist, ob unser Reporter sich das Video tatsächlich angesehen oder inwiefern er die Erklärung verinnerlicht hat.

Was Manfred Götzke auch ausprobiert hat, ist die Daten einer Person einzugeben, ohne sie getestet zu haben. "Ich habe einfach die Daten von einer Freundin eingegeben und sie hat ein Zertifikat mit einem negativen Testergebnis zugeschickt bekommen", erzählt er.

Vorwürfe gegen möglichen Betrug

Hierauf spielt auch die Kritik gegen das Angebot der Webseite an. Markus Bönig, Geschäftsführer der Firma Clini Go GmbH, dem Betreiber der Seite, hält den Vorwurf eines möglichen Betrugs von Testzertifikaten auf Nachfrage unseres Reporters für nicht gerechtfertigt. "Es ist nicht auszuschließen. Was Sie aber hier machen, ist die Unschuldsvermutung umzudrehen. Es geht um einen Bürger, der sich als Fachkraft dargelegt hat. Es ist davon auszugehen, dass er sich korrekt verhält", sagt er. Zu Betrug könne es laut ihm auch in Testzentren kommen.

Impfgegner und Querdenker

Neben seiner Rolle als Geschäftsführer der Firma, die "Test-Express" betreibt, ist Markus Bönig seit März 2021 Mitglied der Partei "die Basis", berichtet tagesschau.de und bezieht sich dabei auf die Angaben von Markus Bönig selbst.

Die Partei hat sich im Juli 2020 im Rahmen der Proteste gegen die Corona-Maßnahmen gegründet und wird der Querdenker-Bewegung zugeordnet. Unter ihren Mitgliedern befinden sich also auch Gegnerinnen und Gegner von Impfungen.

Markus Bönig sieht die Seite auch als Angebot für diejenigen an, die sich nicht impfen lassen möchten, wie er sagt. In der Partei ist er umstritten, weil ihm ein Teil der Mitglieder vorwirft, mit seinem Geschäft an den Corona-Maßnahmen zu verdienen, obwohl die Partei die Maßnahmen kritisiert.

"Die Anhänger von 'die Basis' werben für 'Test-Express' unter dem Motto 'Testet euch gegenseitig frei!' Dass es hier um ein Angebot geht, wo sich Corona-Kritiker, Querdenker und Impfgegner gegenseitig 'frei testen' ohne sich zu testen, ist nicht so weit hergeholt."
Manfred Götzke, Deutschlandfunk Nova