Viele Studierende sind eine Art Solo-Selbständige und finanzieren sich durch kleine Jobs. Weil sie aber hauptberuflich studieren, sind sie von der Soforthilfe für Selbstständige ausgeschlossen. Auch wenn sie gerade ihren Studentenjob wegen Corona verloren haben.

Mehrere tausend Euro Soforthilfe kann eine Selbständige oder ein Selbständiger in der Corona-Krise gerade bekommen. Studierende können von diesem staatlichen Hilfsprogramm jedoch nicht profitieren. Und das, obwohl auch sie von der Krise betroffen sind.

Bei wie vielen Studierenden die Corona-Krise gerade die Studienfinanzierung über den Haufen wirft, lasse sich zwar nicht exakt benennen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Armin Himmelrath. Es könne aber grob berechnet werden:

  • Von den etwa drei Millionen Studierenden in Deutschland müssen laut Deutschem Studentenwerk rund 80 Prozent jobben, um ihr Studium zu finanzieren – das wären 2,4 Millionen Studierende.
  • Nicht alle davon haben ihre Jobs wegen Corona verloren, aber doch ziemlich viele: etwa die, die im Fitnessstudio, in Restaurants oder Kneipen oder als Nachhilfelehrer an einer Schule gearbeitet haben.
  • Angenommen, ein Drittel der Studierenden wäre betroffen – dann wären das 800.000 Studierende.

Das Deutsche Studentenwerk sieht die aktuelle Situation äußerst kritisch. Die Studierenden hätten in der Regel weder Anspruch auf Kurzarbeitergeld, noch auf Grundsicherung oder Arbeitslosengeld II, sagt Studentenwerk-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde.

"Für Studierende, die sich ihr Studium im Wesentlichen über Erwerbsarbeit finanzieren müssen, gibt es bei Jobverlust bislang keine Lösung."
Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks

An das Bundesbildungsministerium adressiert er einen Vorschlag: In der Phase des Jobverlustes sollten die BAföG-Ämter oder Sozialberatungsstellen den monatlichen Einnahmenausfall (der nachgewiesen werden muss) mit staatlichen Zuschüssen ausgleichen.

Studentenwerk macht Druck auf Bundesregierung

Geld dafür wäre tatsächlich da, sagt Armin Himmelrath. Im letzten Jahr wurden beim Bildungsministerium nämlich 900 Millionen Euro für BAföG nicht abgerufen. Eingeplantes Geld wurde also nicht ausgegeben, weil keine Anträge gestellt wurden.

Das Hilfsprogramm der Bundesregierung zielt auf kleine Unternehmen. Es ist für Hauptberufler, nicht für Nebenberufler gedacht. Das könne er soweit nachvollziehen, sagt Armin Himmelrath. Die "seltsame Zwitterstellung der Studierenden" passe in dieses Modell aber nicht hinein.

"Mit dem Hauptberuf Studieren kann nun mal kein Geld verdient werden."
Armin Himmelrath, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Teilweise habe das konkrete Folgen: Eine Jurastudentin musste jetzt zum Beispiel ihr WG-Zimmer kündigen und wieder bei den Eltern einziehen. Ihr eigener Job war weggebrochen, und ihr Vater arbeitet selbstständig im Messebereich, der auch gerade schwierig ist. Die Familie kann sich das WG-Zimmer der Tochter gerade einfach nicht mehr leisten.

Wer ähnlich betroffen ist, sollte mit dem Vermieter reden, empfiehlt Armin Himmelrath. Manchmal lasse sich eine Lösung finden.

Mehrere Studentenwerke, unter anderem das in Köln, haben angekündigt, in ihren Wohnheimen betroffenen Studierenden die Miete erstmal zu stunden.

Das Studierendenwerk Berlin hat einen eigenen Hilfsfonds eingerichtet. Dieser zahlt 500 Euro an Studierende mit Corona-bedingten finanziellen Problemen aus. Viele evangelische und katholische Hochschulgemeinden planen ähnliche Hilfen.

Insgesamt reiche das alles aber nicht aus, sagt Achim Meyer auf der Heyde vom Deutschen Studentenwerk. Die Solidaritäts-Programme seien "sinnvoll, aber leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein".

Unsicherheit und kurzfristige Entscheidungen

Dass ein genereller Zuschuss tatsächlich kommt, glaubt Armin Himmelrath eher nicht. Aber auch kleinere Maßnahmen könnten den Studierenden schon helfen. Und die hält er für wahrscheinlich: Etwa, dass zum Beispiel das Sommersemester beim BAföG oder bei der Höchststudiendauer nicht angerechnet wird.

Natürlich hängt das alles auch von der weiteren Entwicklung ab. Ob der Studienbetrieb nach dem 20. April wieder normal startet, steht nämlich alles andere als fest. Erste Unis haben schon angekündigt, nicht vor Mai wieder anfangen zu wollen. Im Hintergrund werde bereits über den Plan nachgedacht, ein Semester komplett ausfallen zu lassen.