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Die Coronavirus-Mutationen verbreiten sich immer mehr und damit auch die Nachrichten, dass manche Impfstoffe wirkungslos gegen sie seien. Carsten Watzl von der TU Dortmund ordnet uns die Wirksamkeit der Impfstoffe ein.

In Südafrika soll Pflegepersonal erstmal nicht mehr mit dem Impfstoff von Astra-Zeneca geimpft werden, da eine kleine Studie schreibt, dass der Schutz gegen die südafrikanische Mutation nur bei 20 Prozent liege. In einem Pflegeheim im Landkreis Osnarbrück haben sich 14 Bewohnerinnen und Bewohner, die bereits zwei Impfungen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer hinter sich hatten, erneut mit einer Virus-Mutation angesteckt. Und das obwohl Studien sagen, dass der Impfstoff gegen die Mutationen aus Großbritannien und Südafrika wirke.

Es sind Nachrichten wie diese, die derzeit bei uns für viel Unsicherheit sorgen. Carsten Watzl, Leiter des Forschungsbereichs Immunologie an der Technischen Universität Dortmund, findet die Berichte nicht so beunruhigend. Er plädiert dafür: Egal, welcher Impfstoff – eine Impfung ist derzeit immer besser als keine Impfung. Er empfehle nicht, sich auf einen Impfstoff zu versteifen und darauf zu warten. Jeder Tag früher zähle.

"Wenn mich die Leute fragen, sage ich immer: Nehmen Sie bitte den Impfstoff, den sie kriegen können. Weil alle Impfstoffe schützen vor der schweren Erkrankung und sind besser als gar nicht geimpft zu sein."
Carsten Watzl, Leiter des Forschungsbereichs Immunologie an der Technischen Universität Dortmund

Impfstoff mildert den Verlauf

Der Studie aus Südafrika traue Carsten Watzl nicht so ganz, da es sich dabei um eine kleine Studie mit jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und sehr leichten Corona-Erkrankungen gehandelt habe. Das Hauptziel der Impfungen sei aber gerade, die schweren Verläufe abzuschwächen und nicht vor den leichten Verläufen zu schützen. Deshalb sehe er die Aussage, dass der Impfstoff von Astra-Zeneca nur gering wirke im Zusammenhang mit dieser Studie eher kritisch.

"Der Effekt der Impfung ist bei den schweren Erkrankungen viel deutlicher als bei den leichten."
Carsten Watzl, Leiter des Forschungsbereichs Immunologie an der Technischen Universität Dortmund

Und auch für den Fall aus dem deutschen Pflegeheim hat Carsten Watzl eine Erklärung: Die Infektion mit der Virus-Mutation sei erst zufällig bei Routineuntersuchungen aufgefallen und nicht durch das Auftauchen von starken Symptomen bei den Bewohnerinnen und Bewohnern. Das bedeute, dass die Impfung durchaus gewirkt habe, indem sie die alten Menschen vor einem schweren Verlauf geschützt habe, der in diesem Alter typisch wäre.

Impfung an Mutationen anpassen, ist möglich

Astra-Zeneca hat mittlerweile schon angekündigt, seinen Wirkstoff an die südafrikanische Variante anzupassen. Das gehe, indem man den Bauplan für das im Impfstoff enthaltene Spike-Protein verändere und an die südafrikanische Variante anpasse, erklärt Carsten Watzl. Im Labor dauere das nur ein bis zwei Monate.

Die größere Hürde bestehe darin, die einzelnen Testphasen zu durchstehen, in denen gezeigt werde, dass der abgeänderte Impfstoff wirklich sicher gegen die Mutation wirke. Auch das nehme nochmal ein paar Monate in Anspruch, sagt Carsten Watzl.

Wirksamkeiten werden in der letzten Testphase bestimmt

Offiziell hat der Impfstoff von Biontech/Pfizer eine Wirksamkeit von 90 Prozent, der Impfstoff von Astra-Zeneca eine Wirksamkeit von 70 Prozent. Diese Wirksamkeiten werden in der Phase 3 der Impfstoffstudien bestimmt. Dabei werden die Probanden entweder geimpft oder bekommen ein Placebo.

Die 90 Prozent drücken dann aus, um wie viel Prozent die Infektionen in der Impfgruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe reduziert sind, erklärt Carsten Watzl. Hat man beispielsweise 100 Infektionen in einer Placebo-Gruppe, aber nur 10 Infektionen in der Impfgruppe kommt man auf eine Wirksamkeit von 90 Prozent.