Weltweit ist der Impfstoff gegen das Coronavirus ungleich verteilt. Vor allem reiche Industrienationen impfen gerade, während die meisten ärmeren Länder weitestgehend leer ausgehen. Pharmaunternehmen und Organisationen arbeiten daher an Alternativen zum bisherigen Weg – unter anderem mit Impftabak.

Seit Dezember 2020 geht es in Deutschland darum, wie viele Menschen schon gegen das Coronavirus geimpft sind und wie schnell beziehungsweise langsam das Impfen voranschreitet. In dem Zusammenhang kommt oft auch die Meldung, dass es an ausreichend Impfstoff mangelt.

Weltweit zeichnet sich ein völlig anderes Bild ab: Fast dreieinhalb Milliarden Dosen sind mittlerweile verimpft. Theoretisch müssten danach mehr als 1,7 Milliarden Menschen vollständig geimpft sein, wenn man das Vakzin von Johnson & Johnson miteinbezieht, bei dem eine Impfdosis ausreicht.

Ärmere Länder weiter ohne Impfstoff

Der Großteil der Geimpften lebt allerdings weiterhin in den wenigen Industrieländern, die ihre Impfkampagnen oft wegen ihrer finanziellen Mitteln und Infrastruktur im Wettrennen um den Impfstoff schnell umsetzen konnten. Viele der ärmeren Länder gingen bislang leer aus: Sie haben weniger als ein Prozent der Impfstoffe erhalten.

Initiativen wie das internationale Covax-Programm sollen in der Coronavirus-Pandemie für eine faire Verteilung sorgen, um weltweit vor allem das medizinische Personal und besonders gefährdete alte und kranke Menschen durch eine Impfung zu schützen. Zwei Milliarden Impfdosen sollen mithilfe von Covax 2021 noch verteilt werden – das ist um einiges später als geplant. In der Zwischenzeit kann sich das Coronavirus weiter ausbreiten.

"In der Krise denkt jeder erst an sich: Nicht nur die USA auch Indien hat nicht wie geplant exportiert. Das ist ein Riesenproblem für Covax."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Mehr Produktionsanlagen = mehr Impfstoff?

Eine Studie der Nicht-Regierungs-Organisation Public Citizen kommt zu dem Ergebnis, dass es acht Milliarden Dosen in einem Jahr brauche, um die gesamte Welt gegen das Virus zu impfen. Vielmehr ließe sich die Produktion der Impfstoffe mit 10 bis 23 Milliarden Dollar ausbauen. Laut der Studie könnten mit dem Geld 55 Produktionsanlagen in kurzer Zeit aufgezogen werden. So ähnlich lief das beim Hersteller Biontech in Marburg, der sein Impfstoffwerk in sechs Monaten umgebaut hat.

Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth hält die Studie eher für einen Weckruf als für einen direkt umsetzbaren Plan. Die milliardenhohen Ausgaben sein dabei nicht das Problem. Im Vergleich zu den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie handelt es sich bei den 10 bis 23 Milliarden für eine unbedeutende Summe, sagt er.

Mangel an Know-how

Woran es allerdings mangelt, um die Welt möglichst bald mit ausreichend Impfstoff zu versorgen, sind Fachkräfte und Ausgangssubstanzen für die Vakzine, heißt es aus der Pharmaindustrie. Vor allem ausgebildetes Personal war im Fall des Impfstoffwerks von Biontech in Marburg vorhanden, erklärt der Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth. Das machte den schnellen Einstieg in die Produktion dort möglich.

Impfstoff aus der Tabakpflanze

Ein anderer Ansatz setzt auf Tabakpflanzen, um Impfstoff herzustellen. Das Biotech-Unternehmen Medicago und das Pharmaunternehmen Glaxo-Smith-Kline arbeiten gerade daran, die Tabakpflanze gentechnisch so umzurüsten, dass darüber Proteine des Coronavirus für eine Impfung produziert werden können. Der Impfstoff aus Tabak ist gut verträglich und löst die Bildung von Antikörpern aus, erklärt der Wissenschaftsjournalist.

Eine Phase-III-Studie dazu läuft momentan noch. Erzielt der Impftabak gute Ergebnisse, plant Medicago eine Produktion von 80 Millionen Impfdosen pro Jahr ein. Volkart Wildermuth hält die angekündigte Menge für vergleichsweise gering. Auch sei es bei einem Naturprodukt nicht einfach, die Qualität zu sichern. Zudem arbeiten die Pharmaunternehmen mit Patenten. Das verhindert den einfachen Anbau von Impftabak.

Verteilung der Impfdosen ist entscheidend

Letztendlich läuft es auf eine Frage der Verteilung hinaus, so der Wissenschaftsjournalist. Mehr als 10 Milliarden Impfstoffdosen sollen dieses Jahr noch produziert werden. Dafür bauen Pharmaunternehmen ihre Werke aus und kooperieren mit Konkurrenten.

Es geht also um die Frage, ob die reichen Industrienationen allen Menschen in ihren Ländern eine Impfung anbieten, unabhängig davon, ob sie einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind oder ob sie Impfstoff an das Covax-Programm spenden, damit gefährdete Menschen weltweit geschützt werden.

"Es gibt viel Streit über den richtigen Weg, aber es ist Bewegung spürbar."
Volkart Wildermuth, Wissenschaftsjournalist

Langfristig gesehen brauche es eine regionale Produktion von Impfstoffen. Die Welthandelsorganisation (WTO) fordert daher auch, die Patente für die Vakzine aufzuheben. In dieser Diskussion setzt Deutschland hingegen auf freiwillige Kooperationen und bremst die Entwicklung.