In einigen Bundesländern ist es schon so weit, in anderen wird es bald soweit sein: Kneipen und Restaurants sind wieder geöffnet. Die Gefahr, sich durch ein Trinkglas mit dem neuartigen Coronavirus anzustecken, ist dabei laut Experten sehr gering.

In sechs Bundesländern haben mittlerweile Gaststätten und Kneipen unter Auflagen wieder geöffnet. Viele machen sich deshalb Gedanken darüber, wie hoch die Ansteckungsgefahr durch Gläser ist. Auch der Virologe Christian Drosten sprach im Coronavirus-Update-Podcast Mitte März davon, dass er erst mal kein gezapftes Bier mehr trinken würde. Dies war jedoch nur seine persönliche Meinung, an einer Stelle im Podcast, in der es um praktische Alltagstipps ging, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter David Freches.

Infektion erfolgt nicht über Speiseröhre

Dem Leiter der Abteilung Biologische Sicherheit am Bundesinstitut für Risikobewertung, Karsten Nöckler, sind Infektionen über beispielsweise ein Bierglas vom Fass nicht bekannt. Weltweit wurde hierzu bisher kein Fall nachgewiesen. Solange die Gläser richtig gespült werden, könne man ohne Bedenken daraus trinken.

"Dem Bundesinstitut für Risikobewertung sind Infektionen über Bier oder Weingläser nicht bekannt. Wenn das Spülen der Gläser richtig erfolgt, kann also das Bier oder der Wein in der Kneipe oder dem Restaurant bedenkenlos getrunken werden."
Karsten Nöckler, Leiter der Abteilung Biologische Sicherheit am Bundesinstitut für Risikobewertung

Denn bei dem neuartigen Coronavirus spiele der Übertragungsweg über die Speiseröhre und den Magen keine Rolle. Nach jetzigem Wissensstand finde sie vor allem über Tröpfchen-Infektion statt, erklärt Karsten Nöckler.

Das würde bedeuten, wir könnten uns von einem Trinkglas nur anstecken, wenn

  1. eine infizierte Person aus diesem Glas trinkt,
  2. dabei das Virus mit ihren Händen oder dem Speichel auf das Glas überträgt,
  3. das Glas dann schlecht gespült wird,
  4. einer neuen Person serviert wird,
  5. die sich wiederum nach dem Trinken mit den Händen ins Auge oder die Nase fasst.

Nur so könne das Virus vom Glas über die Hand schließlich zu den Schleimhäuten gelangen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter David Freches.

Richtiges Spülen bleibt oberstes Gebot

Sind die Gläser jedoch nicht ordentlich gespült, bleibt immer ein Restrisiko. Deshalb empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR), wo es möglich ist, die Gläser mit einer Spülmaschine zu reinigen oder ansonsten mit 50 Grad heißem Wasser und möglichst viel Spülmittel zu waschen.

"Das BFR empfielt: Wo es möglich ist, sollten die Gläser in der Spülmaschine gereinigt werden und ansonsten mit rund 50 Grad heißem Wasser und möglichst viel Spüli. Es ist bei den Gläsern wie mit dem Händewaschen: Viel hilft viel."
David Freches, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Denn die neuartigen Coronaviren sind von einer Fettschicht umgeben, die empfindlich auf Hitze und die Inhaltsstoffe von Seifen und Spülmitteln, also Alkohole und Tenside, reagiert und dadurch zerstört wird.

Wie Seifen und Spülmittel das Coronavirus genau kaputtmachen, könnt ihr hier nachlesen.