Als Mitte März sieben Cornona-Fälle bestätigt waren, hat Marokko sehr schnell drastische Maßnahmen durchgesetzt. Eine davon: den internationalen Flugverkehr schließen. Ohne große Vorwarnung. Die meisten Touristen wurden mittlerweile zurückgeholt. Aber nicht alle.

Deutschlandfunk Nova-Reporterin Anika Reker ist schon seit vergangenem Jahr mit einem Campingvan in Marokko unterwegs. Auch jetzt noch. Sie erlebt das Vorgehen des Landes ganz anders als in Deutschland. Das liegt daran, dass Marokko kein föderales System hat, sondern eine Monarchie mit einem König als Staatsoberhaupt. Ende vergangener Woche hat der den Notstand ausgerufen bei 63 bestätigten Infizierungen.

Zahl der Neuinfizierung steigt – aber langsam

Seitdem sind die Grenzen dicht und es herrscht eine landesweite Ausgangssperre. Die Menschen dürfen nur noch für das Nötigste auf die Straße, wie derzeit in Spanien oder Italien. Wer draußen unterwegs ist, muss mit einer Sondergenehmigung nachweisen, dass er zum Beispiel im Supermarkt oder einem Krankenhaus arbeitet. Auch von Stadt zu Stadt zu fahren, ist nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich. Wer gegen die Regeln verstößt, kann sehr schnell im Gefängnis landen. Das Militär und die Polizei führen strikte Kontrollen durch.

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Bisher steigt die Zahl der bekanntgewordenen Neuinfizierungen zwar täglich, allerdings bisher relativ langsam. Allerdings wurden bisher auch nicht so viele Menschen getestet, deshalb könnte die Dunkelziffer sehr viel höher sein.

Fake News verbreiten sich schnell

Was sich hier nachweislich sehr schnell ausgebreitet hat, sind Fake News. Als Anika Reker zum Beispiel mit Kellnern oder Surfshop-Besitzern gesprochen hat, waren die schon vor einigen Wochen davon überzeugt, dass China das Virus absichtlich in die Welt gesetzt habe, um den US-Amerikanern zu schaden. Gegen solche Fake News hat die Regierung nun ein neues Gesetz erlassen.

"Mehr als zehn Menschen sollen bereits verhaftet worden sein. Darunter eine 48-jährige Youtuberin, die behauptet hatte, Corona existiere nicht."
Anika Reker, Deutschlandfunk Nova

Viele Touristen wurden von der Entscheidung, die Grenze zu schließen, überrumpelt. Anika Reker hat mit einigen Touristen am Flughafen von Agadir gesprochen: Viele haben dort schon über 24 Stunden auf einen Platz in einer der letzten Maschinen nach München, Frankfurt oder Köln gewartet. Als Janes Barjenbruch aus Berlin am Flughafen ankam, war alles ziemlich chaotisch und die drei Mitarbeiter der deutschen Botschaft ziemlich überfordert, fand er.

"Das Schlimme war, es wurde nichts durchgesagt. Ob man warten muss, ob es morgen was wird, und irgendwann kam die Information, dass morgen auch noch Flieger gehen und die Rückholaktion bis Samstag geht."
Janes Barjenbruch, Marokko-Reisender

Viele deutsche Touristen hätten sich um die Formulare zur Ausgabe von Bordkarten gestritten, die Stimmung sei zum Teil sehr aggressiv gewesen, sagt Janes. Einige hätten aber auch bei der Koordination mitgeholfen.

Anika Reker ist nicht mitgeflogen, sondern in Marokko geblieben. Gemeinsam mit ihrem Freund schläft sie nun in ihrem Wohnmobil ziemlich weit entfernt von der Zivilisation auf einem noch nicht eröffneten Campingplatz. Social Distancing ist deshalb kein Problem für sie: Nur beim Einkaufen sieht sie andere Menschen. Und einen gemeinsamen Freund, der den Campingplatz bald eröffnet wollte.

In Marokko leben sehr viele Menschen vom Tourismus. Wenn nun auf unbestimmte Zeit die Gäste ausbleiben, ist das ein Problem für die Marokkaner.