Forschende arbeiten an einem Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2, doch der wird so schnell noch nicht kommen. Die passive Immunisierung könnte helfen, Zeit zu gewinnen.

Bei einer Impfung "infiziert" man den Körper mit abgeschwächten Erregern. Das Immunsystem reagiert und bildet Antikörper. Diese Antikörper bekämpfen die Erreger. Wird der Körper ein zweites Mal infiziert, reagiert das Immunsystem mit den passenden Antikörpern.

Passive Immunisierung hält nur wenige Monate

Bei einer passiven Immunisierung werden einem Menschen Antikörper eines anderen injiziert. Die fremden Antikörper bekämpfen die Erreger. Bei Tetanus wird das schon so gemacht. Diese passive Immunisierung ist aber kein Impfersatz, denn sie hält wahrscheinlich nur wenige Monate, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Christina Sartori. Die passive Immunisierung wäre aber eine Möglichkeit, schwer Erkrankten zu helfen.

Inzwischen gibt es ja schon zig-tausende Menschen (in Deutschland sind es annähernd 16.000, Stand 31.03.20), die mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert wurden und die Infektion oder auch die daraus resultierende Lungenkrankheit Covid-19 gut überstanden haben. Aus ihrem Blut könnten Forschende Antikörper gewinnen, um sie schwererkrankten oder Hochrisiko-Patienten zu verabreichen. Wie das gehen könnte, ist allerdings noch im Forschungsstadium.

Blutproben für die Forschung gesucht

Die Medizinische Hochschule Hannover ruft dazu auf, dass sich Menschen, die Covid-19 überstanden haben, dort melden und für die Forschung Blut spenden.

"Bei manchen Patienten findet man nach der Krankheit noch Virusmaterial, im Rachen, in der Lunge oder im Stuhl – aber das ist nicht mehr ansteckend."
Christina Sartori, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Schwierigkeit dabei ist, dass es sich nicht nur um einen Antikörper handelt, den die Wissenschaftler aus dem Blut gewinnen müssen, sondern es verschiedene sind, die unterschiedlich wirken, sagt Christina Sartori. Außerdem produziert nicht jeder Mensch gleich viel Antikörper.

Antikörper-Test noch in der Entwicklung

Um überhaupt festzustellen, wie viele Menschen bereits mit Sars-CoV-2 infiziert wurden und Antikörper gebildet haben, müsste man sie testen. Dieser Test wird derzeit noch entwickelt. Der Test wäre auch für die vielen Menschen, die in Krankenhäusern und Pflegeheimen arbeiten wichtig. Mit dem Test könnten Wissenschaftler auch Hinweise auf die Dunkelziffer in Deutschland bekommen, also die Abweichung zwischen der Zahl der entdeckten Infizierten zu den unentdeckten Fällen. Dadurch ließe sich auch die Sterblichkeitsrate genauer festlegen.

Bei der Pressekonferenz des Robert Koch Instituts (RKI) am 31. März hat der Präsident Lothar Wieler gewarnt, dass in den kommenden Wochen weiterhin Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 sterben werden. Dadurch werde auch die Sterberate steigen. Bisher seien unter den Erkrankten viele jüngere und gesunde Menschen gewesen, die die Krankheit gut überstanden hätten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung bei diesen Menschen eher mild verläuft, sei hoch.

Mehr Ältere werden infiziert

Das Durchschnittsalter der Erkrankten liegt derzeit bei 47, das Durchschnittsalter der Verstorbenen bei 80. Zu Beginn der Epidemie seien eher Jüngere infiziert worden, weil sie sich beispielsweise zum Skifahren in Italien oder Österreich aufgehalten haben. Die Zahl der Infizierten unter der älteren Bevölkerung nehme aber zu. Bei ihnen verläuft die Krankheit relativ häufig schwerer bis tödlich.