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Das RKI hat eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass die Impfquote für Impfungen gegen das Coronavirus wahrscheinlich um einiges höher ist, als gedacht: ganze 20 Prozentpunkte bei der Erstimpfung. Aber wie kann es zu solchen Ungenauigkeiten kommen? Ein Erklärungsversuch.

Es geht um zwei Ergebnisse aus einem Haus: Das der Covimo-Studie, die Ende Juni bis Anfang Juli durchgeführt wurde, und das Ergebnis des Impfdashboards. Hinter beiden steht das Robert Koch-Institut (RKI). Grundsätzlich sollten die Ergebnisse der Erstimpfungen in Deutschland übereinstimmen – das tun sie aber nicht. Die Studie kommt auf eine Impfquote von 79 Prozent bei den Erwachsenen unter 60 Jahren in Deutschland, während das Dashboard 59 Prozent angibt.

"Eigentlich waren die Ergebnisse immer sehr nah an denen des Impfdashboards. Jetzt ist es halt zum ersten Mal so, dass die Zahlen bei der Erstimpfung auseinanderliegen."
Melisa Gürleyen, Deutschlandfunk Nova-Reporterin

Im Fokus steht also die Quote der Erstimpfungen – denn die der Zweitimpfungen stimmt überein. Um zu verstehen, welche Faktoren zur Abweichung geführt haben, muss man sich genauer ansehen, wie die Daten für die Covimo-Studie und das Impfdashboard genau erhoben werden.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen

Die Covimo-Studie basiert auf Umfragen: 1005 Menschen wurden zu ihrem Impfverhalten und ihrer Impfbereitschaft befragt. Diese Umfragen gibt es seit Januar, sie werden am Telefon durchgeführt. Das Impfdashboard wiederum stützt sich auf alle Meldungen zu Impfungen von Impfzentren, Krankenhäusern, Impfteams und Betriebsmedizinerinnen.

"Die Impfquote ist vermutlich höher als gedacht, wenn auch nicht so viel höher, wie die Umfrage ergeben hat."
Melisa Gürleyen, Deutschlandfunk Nova-Reporterin

Für die Verzerrung nennt das RKI verschiedene Gründe – die bei Studie und Dashboard liegen: Zum einen kann es sein, dass Menschen am Telefon sozial erwünschte Antworten geben, das bedeutet, sie geben nur vor, geimpft zu sein. Es ist auch möglich, dass sie sich nur diejenigen auf die Befragung einlassen, weil sie die Impfung gegen das Coronavirus befürworten.

Ein anderer möglicher Grund: Der Impfstoff von Johnson und Johnson wird nur einmalig verimpft – Ärztinnen geben ihn daher als Zweitimpfung an. Entsprechend fließen die Daten auch ins Dashboard. Eine weitere Herausforderung: Nicht alle Impfungen bei Betriebsärzten werden registriert.

Was stimmt nun? Das RKI vermutet, dass die Quote irgendwo zwischen den beiden Werten liegt. Was bleibt: Sie ist vermutlich höher als gedacht, aber eben nicht so hoch, wie die Studie suggeriert. Das RKI braucht also korrekte und umfassende Meldungen über Impfungen und korrekte Angaben am Telefon.

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Forderungen aus Politik

Mehrere Politiker und Expertinnen fordern nun genauere Quoten, darunter Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher und der Bund deutscher Intensivmediziner. Auch FDP-Generalsekretär Volker Wissing kritisiert in einem Interview mit der Rheinischen Post die Quotenunterschiede als "ein neues Ärgernis im Management dieser Krise".

"Ich glaube, das wird man nie ganz ausmerzen können. Aber man ist ja froh, wenn es so rum überraschend ist, als wenn wir niedrigere Impfquoten hätten als angegeben."

Den Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigelt überraschten die Ergebnissen nicht. Auch das Gesundheitsministerium zeigt sich entspannt. Und der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, hat gegenüber der Deutschen Presseagentur geäußert, dass man wohlmöglich die Zahl der Erstgeimpften unterschätze, aber das am Ende nur wenige Prozentpunkte seien – ähnlich der Einschätzung des RKI.

Das RKI selbst betont, es wolle mögliche Verzerrungen weiter einschränken. Die nächste Covimo-Studie soll Anfang August bis Ende September erhoben und zeitnah veröffentlicht werden. Dann wird sich zeigen, ob die Ergebnisse sich noch immer so stark unterscheiden.