Wir vertrauen Menschen. Und wir vertrauen Institutionen: der Politik, den Medien oder dem Gesundheitssystem. Diese Dimension von Vertrauen hat sich besonders in der Coronavirus-Pandemie gezeigt. Zwei Vorträge diskutieren, wie relevant Vertrauen in dieser Zeit geworden ist.

Vertrauen ist zentral für das Gelingen menschlichen Handelns. Das klingt positiv, ist aber ambivalent, sagt Judith Simon. Sie ist Professorin für Ethik in der Informationstechnologie an der Uni Hamburg. Ausbeutung und Verschwörungen ebenso wie Gerechtigkeit und Gemeinschaft florieren besser, wenn Vertrauen da ist, erklärt die Philosophin.

Wenn wir vertrauen, machen wir uns verletzlich. Vertrauen wird oft dann thematisiert, wenn es brüchig ist, wenn es infrage gestellt wird, erklärt sie. "Wir können Vertrauen verstehen als akzeptierte Vulnerabilität."

"Wir können Vertrauen verstehen als akzeptierte Vulnerabilität. Das heißt: Vertrauen spielt dort eine Rolle, wo ich keine Gewissheit habe."
Judith Simon, Philosophin 

Zeit der Unsicherheit

Die Philosophin nennt drei Gründe dafür, dass Vertrauen in der Coronavirus-Pandemie so zentral wurde.

  • Erstens gab es eine epistemische Unsicherheit. Das heißt: Es gab sehr viel unsicheres Wissen und das Wissen war stark verteilt auf unterschiedliche Akteure, sagt Judith Simon.
  • Zweitens hätten viele Menschen eine große moralische Unsicherheit verspürt. Wir haben schließlich bisher keine Pandemien erlebt, in denen wir lernen konnten, wie wir uns verhalten sollen.
  • Und drittens waren wir alle in der Pandemie sehr verletzlich, so die Philosophin.

Berichterstattung in Zeiten einer Pandemie

Der zweite Vortrag kommt von Kai Kupferschmidt. Er ist Molekularbiologe und arbeitet als Wissenschaftsjournalist. Aktuell als Korrespondent des Magazins "Science". In seinem Vortrag erzählt Kai Kupferschmidt von seiner eigenen Berichterstattung in der Pandemie und was er dabei gelernt hat.

Der Vortrag von Judith Simon heißt "Vertrauen in der Pandemie – Philosophische Erwägungen". Der Vortrag von Kai Kupferschmidt heißt "Lessons learned: Infodemie und die Rolle der Medien". Beide Vorträge wurden auf dem Symposium Infektionen und Gesellschaft am 29. und 30. April 2022 gehalten. Veranstaltet wurde das Symposium von der Akademie der Wissenschaften in Hamburg.