Die Initiative "Trink-Genosse" will in Köln eine Bar als Genossenschaft gründen. Damit will sie die Idee der Kooperative bekannter machen. Demokratische Prozesse sollen für Menschen wieder erlebbar werden. 

Die erste Hürde haben Kai Berthold und Jan Buckenmeyer, die das Konzept gemeinsam mit anderen Gründern entwickelt haben, schon genommen: Das erste Crowdfunding-Ziel von 25.000 Euro wurde erreicht. Jetzt können die Gründer in die Planung des Konzepts einsteigen.

Design gesellschaftlicher Prozesse

Kai und Jan haben an der Köln International School of Design ihren Bachelor in "Integrated Design" gemacht. Dabei geht es nicht nur um das Design von Stühlen oder Tischen, sondern auch um das von gesellschaftlichen Prozessen. 

"Die Bar soll Gewinne erwirtschaften."
Kai Berthold, Initiative "Trink-Genosse"

Die genossenschaftliche Bar solle Gewinne erwirtschaften und sich selbst finanzieren, sagt Kai. Ein Geschäft sei sie also auf jeden Fall. Auf große Investoren soll aber verzichtet werden, weil genau das immer mit einer Einflussnahme einhergehe. 

Interessen von Großinvestoren sollen draußen bleiben

Meistens verbinden die Geldgeber nämlich bestimmte Interessen mit ihrem Investment, so Kai. In einer Genossenschaft gelte dagegen die Regel "Ein Kopf, eine Stimme" – egal, wie viel Geld die (juristische) Person in den Projekttopf eingezahlt hat.

"Bei uns gilt die Regel 'Ein Kopf, eine Stimme'."
Kai Berthold, Initiative "Trink-Genosse"

Ob zum Beispiel ein bestimmter Musiker in den Räumlichkeiten der "Trink-Genossen" auftreten soll – oder welche Barmöbel angeschafft werden, wird gemeinschaftlich entschieden. Allerdings soll nicht jedes kleinste Detail immer genossenschaftlich geklärt werden, sagt Kai. Jeder soll aber zu jeder Zeit mitreden können.

Unterstützer sind teilweise unbekannt

Die "Trink-Genossen" hätten bereits ein ziemlich gutes Netzwerk von Menschen, die Bars besitzen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stünden, sagt Kai Berthold. Wer sie alles finanziell unterstützt, wüssten sie gar nicht genau. 

Im erweiterten Bekanntenkreis habe die Idee angefangen – durch die mediale Berichterstattung habe sich die Bekanntheit des Projekts dann erhöht.

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