Vor einem Jahr wurde mitten in Deutschland ein Zentrum des internationalen Internetverbrechens ausgehoben. Es geht um Drogen, Hackerangriffen, Kinderpornografie und Mordaufträgen.

Traben-Trarbach ist ein netter, kleiner Weinort an der Mosel in Rheinland-Pfalz. Etwas mehr als 5000 Menschen leben hier in hübschen Fachwerkhäusern, es gibt eine Burgruine. Und Traben-Trarbach beherbergt eine Zentrale des internationalen Internetverbrechens.

Genauer gesagt lag das Zentrum auf einem alten Bundeswehrgelände in der Nähe von Traben-Trarbach. Dort haben acht Personen ein Rechenzentrum betrieben in einem der ehemaligen Bunker. Die Serverfarm wurde als "Cyberbunker" berühmt-berüchtigt - denn von hier sollen Websites gehostet worden sein, über die Kriminelle aus aller Welt millionenschwere Geschäfte abgewickelt haben.

Mordaufträge im Cyberbunker

Die Rede ist von Drogenhandel, Fälschungen, Hackerangriffen und Kinderpornografie. Sogar Mordaufträge gehören zu den Vorwürfen.

Zum Beispiel soll auf den Servern der "Wall Street Market" gehostet worden sein. Klingt nach einer Börsenplattform, ist aber der zweitgrößte Drogenmarktplatz im Darknet. Daneben lagen auf den Rechnern weitere Darknet-Marktplätze.

Der Cyberbunker war nicht nur Umschlagplatz für Kriminelle. Auf den Servern lagen laut Spiegel und Panorama auch Daten der rechtsextremen "Identitären Bewegung". Außerdem war der Cyberbunker offenbar auch in Hacking involviert: Der Angriff auf 1,2 Millionen Telekom-Router Ende November 2016 soll auch über das Rechenzentrum in Traben-Trarbach gelaufen sein.

"Cyberbunker" sollte vor Polizei und Geheimdiensten schützen

Insgesamt gibt es acht Tatverdächtige: vier Niederländer, drei Deutsche und ein Bulgare. Ende 2013 hatte einer der Niederländer, der mutmaßliche Hauptakteur, den ehemaligen Bundeswehrbunker gekauft und im Netz als sichere Anlaufstelle für alle möglichen Daten vermarktet. Die Server seien "bulletproof", also gut geschützt vor Hacker-Attacken, aber auch vor Zugriffen durch die Polizei und Geheimdienste.

Ganz gestimmt hat das mit dem "bulletproof" dann aber doch nicht: Voriges Jahr flog der Cyberbunker auf und wurde von der Polizei in einer großen Aktion ausgehoben, mehr als 400 Server wurden sichergestellt.

Nach eigener Aussage habe der Betreiber nichts von den kriminellen Machenschaften seiner Kundinnen und Kunden gewusst. Der Prozess beginnt in einem Monat vor dem Trierer Landgericht. Es ist laut Generalstaatsanwaltschaft das erste Mal in Deutschland, dass nicht gegen die Betreiber von Marktplätzen im Darknet Anklage erhoben wird, sondern gegen diejenigen, die die Technik zur Verfügung stellen.

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