Die Olympischen Spiele 1972 in München sollten ein großes Fest werden, gingen aber als desaströser Befreiungsversuch von israelischen Geiseln mit vielen Toten in die Geschichte ein.

Heitere Spiele - dieses Motto stand über den Olympischen Spielen von München 1972. Die Bundesrepublik Deutschland hatte mit der Ostpolitik Ansehen in der Welt gewonnen und die Versöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern in Osteuropa eingeleitet. Nun wollten die Deutschen fröhliche Gastgeber für die Sportler der Welt sein. Die Spiele begannen am 26. August 1972 mit einer Eröffnungsfeier, die ohne Militärkapellen und Marschmusik auskam. 

Von der Euphorie zur Schockstarre

Westdeutsche Athletinnen und Athleten waren an den ersten Tagen erfolgreich: Klaus Wolfermann gewann das Speerwerfen mit einem Olympischen Rekord, Heide Rosendahl gewann den Weitsprung und am 3. September die Silbermedaille im Fünfkampf. Am Abend vor dem Attentat von München, am 4. September 1972, erlebten die Zuschauer im Münchener Olympiastadion eine Sensation: Die 16-jährige Ulrike Meyfarth gewann den Hochsprung. 

"Damals hatte der Begriff Terroranschlag gar keine Bedeutung. Das war etwas ganz Neues und wir waren dermaßen schockiert, dass solche Dinge passieren und von daher war es auch schwer, das einzuordnen."
Heide Ecker-Rosendahl, ehemalige deutsche Leichtathletin und Olympiasiegerin
Die deutsche Leichtathletin Heide Rosendahl während der Olympiade beim Sprung. Mit einer Weite von 6,78 m errang sie bei den Olympischen Spielen in München am 2.9.1972 die Golddmedaille im Weitsprung.
© dpa

Palästinensische Terroristen des Schwarzen September drangen in den frühen Morgenstunden des 5. September 1972 ins Olympische Dorf und nahmen elf Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft als Geiseln. Bei dem Angriff wurden zwei Geiseln schwer verletzt, sie starben wenig später. Die Geiselnehmer verlangten die Freilassung von mehr als 230 Palästinensern aus israelischen Gefängnissen und die Freilassung der deutschen Terroristen der Rote Armee Fraktion, Andreas Baader und Ulrike Meinhof. 

Befreiungsversuch wird zum Desaster

Die Bundesregierung lockte die Terroristen zum Schein auf den Flughafen nach Fürstenfeldbruck, von dort aus sollten sie nach Kairo fliegen. In Fürstenfeldbruck endete die Geiselnahme in einem totalen Desaster: Alle Geiseln, fünf Terroristen und ein Münchener Polizeiobermeister wurden getötet, drei Terroristen wurden lebend überwältigt.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Heide Ecker-Rosendahl gewann zwei Gold- und eine Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in München und war das 'Gesicht der Spiele'. Sie wollte, dass die Spiele fortgesetzt werden. 
  • Buchautor Matthias Dahlke über die Sicherheitsvorkehrungen bei den Olympischen Spielen von München.
  • Deutschlandfunk Nova-Korrespondentin Gudula Geuther erläutert, wie die Sicherheitsvorkehrungen bei heutigen Großereignissen getroffen werden.
  • Deutschlandfunk Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld schildert die Situation, in der die Spiele in München 1972 ausgetragen wurden.