Immer wieder sind meinungsstarke und emanzipierte Frauen Ziel von Attacken aus der rechtsextremen Szene. Warum das so ist, hat die Politikwissenschaftlerin und Rechtsextremismus-Forscherin Judith Götz für uns eingeordnet.

Die Frankfurter NSU-Opferanwältin Seda Başay-Yıldız, die Linken-Politikerin Janine Wissler, Maybrit Illner und ihre gesamte Redaktion oder die Kabarettistin Idil Baydar, mit der wir diese Woche gesprochen haben - sie alle haben Drohschreiben mit Morddrohungen aus der rechtsextremen Szene erhalten.

Warum auch Frauen im Fokus von Rechtsextremisten stehen, dafür gebe es verschiedene Gründe, meint Judith Götz, Politikwissenschaftlerin und Rechtsextremismus-Forscherin an der Uni Wien. Die individuelle Biografie der Täter, aber auch politische Motive wie Frauenhass, Antifeminismus und das rechtsextreme Weltbild würde hier eine Rolle spielen.

"Frauenfeindlichkeit setzt sich hier aus mehren Punkten zusammen: die individuelle Biografie der Täter, aber auch politische Motive wie Frauenhass, Antifeminismus und natürlich das rechtsextreme Weltbild."
Judith Götz, Politikwissenschaftlerin und Rechtsextremismus-Forscherin

Gerade der Feminismus sei Rechtsextremen ein Dorn im Auge, denn der stehe als Inbegriff dessen, was sie ablehnen: gesellschaftlichen Wandel, Pluralismus und Ausdifferenzierung. Feminismus wird außerdem als Bedrohung männlicher Privilegien gesehen, die in Gefahr geraten, so die Politikwissenschaftlerin.

Von meinungsstarken und erfolgreichen Frauen wie Idil Baydar, fühlten sich Rechtsextreme besonders provoziert. Sie glaubten sich im Recht, sie zu bestrafen und in ihnen genehmes Rollenbild zurückzudrängen, sagt Judith Götz.

Enge Verwobenheit von Antifeminismus und Rechtsextremismus

Hätten die Frauen dann auch noch einen Migrationshintergrund, werde das Gefühl der Bedrohung verstärkt. Zu der frauenverachtenden Perspektive komme die rassistische Perspektive und das steigere die Aggression. Dazu sei rechtsextremes Gedankengut sehr gewaltaffin, weswegen auch vor Morddrohungen nicht zurückgeschreckt werde, so Judith Götz.

Die enge Verwobenheit von Antifeminismus und Rechtsextremismus zeige sich zum Beispiel auch in den rechtsterroristischen Anschlägen der jüngeren Vergangenheit wie zum Beispiel in Christchurch oder in Halle, so die Politikwissenschaftlerin. Die Taten hätten auch eine antifeministische Komponente, indem die Täter den Feminismus beispielsweise für den Geburtenrückgang verantwortlich machen. Der Feminismus sei als Feindbild auserkoren worden, das besonders bekämpft werden müsse.

"Rechtsextreme haben im Feminismus ein Feindbild auserkoren, das ganz besonders bekämpft werden müsse."
Judith Götz, Politikwissenschaftlerin und Rechtsextremismus-Forscherin

Ambivalentes Rollenbild rechtsextremer Frauen

Doch auch in der rechtsextremen Szene gibt es Frauen. Das Rollenbild hier beschreibt Judith Götz als ambivalent. Auf der einen Seite würden Frauen in rechtsextremen Kreisen eine Aufwertung und stückweise auch Emanzipation erfahren, da sie sich selbst als politisches Objekt ins Geschehen einbringen. Auf der anderen Seite werde das von den Männern und der Ideologie aber immer wieder begrenzt, die Frauen klare Rollen zuschreibe, sagt Judith Götz.