Über den Wegwerf- oder Recyclingpenis bei verschiedenen Schneckenarten

Einen Wegwerf- oder Recyclingpenis findet man bei der "Roten Prachtsternschnecke“, einer Meeresschnecke. Rote Prachtsternschnecken sind sogenannte Simultanzwitter. Das bedeutet, dass jedes Tier sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsorgane besitzt und diese auch gleichzeitig eingesetzt werden können. Eine Tatsache, die bei Schnecken ganz normal ist. 

Ungewöhnliches Verhalten nach dem Sex

Schon ungewöhnlicher ist eine Spezialität der Roten Prachtsternschnecke: Etwa 20 Minuten nach der Paarung werfen die Sexualpartner ihren Penis ab. Allerdings kein Grund zur Sorge - denn rund 24 Stunden nach dem Abwurf produzieren die Schnecken einen neuen Penis, den sie dann nach einer weiteren Paarung erneut abwerfen.

Rote Prachtsternschnecke
© Imago | blickwinkel
Eine Rote Prachtsternschnecke

Auf welche Art und Weise die Schnecken ihren Wegwerfpenis recyceln, haben japanische Wissenschaftler herausgefunden. Die Forscher haben dazu die Schnecken aufgeschnitten und sich die Genitalanatomie genau angeschaut. Sie fanden heraus, dass sich im Körper spiralförmig aufgerolltes, schlauchartiges Ersatzgewebe für den Penis befindet. Dieses Gewebe liegt allerdings in einer unreifen Form vor. Nur der vorderste Teil entwickelt sich zum "gebrauchsfertigen" Penis. Wird dieser Teil abgestoßen, rückt das nächste Stück innerhalb von 24 Stunden nach. Da die Forscher nie mehr als drei Paarungen hintereinander beobachteten, gehen sie davon aus, dass mehr als das dreimal Nachwachsen nicht drin ist.

Der biologische Sinn ist noch nicht vollständig erklärt

Der Penis der Schnecken ist mit winzigen, nach hinten gerichteten Widerhaken besetzt. Haken, die dazu dienen könnten, den Spermienspeicher des Sexualpartners vom Sperma eines Konkurrenten zu säubern. Sinnvoll wäre dies, weil sich Prachtsternschnecken nicht nur mit einem, sondern mehreren Artgenossen paaren und zudem das Sperma aufbewahren. Wenn es einem Sexualpartner also gelingt, mithilfe der Widerhäkchen den Samen eines anderen Sexualpartners aus dem Körper des oder der Auserwählten zu entfernen, steigen die Chancen, eigene Gene weiter zu geben. Weil die Widerhaken ein Zurückziehen in den Körper verhindern, wird der Penis nach dem Sex abgeworfen. 

Auch andere Tierarten trennen sich nach dem Sex von ihrem Penis

Bei einigen Landschneckenarten findet nach der Paarung eine Apohallation statt. Der Penis wird abgebissen.

So ist das etwa bei der an der Westküste Nordamerikas lebenden Nacktschnecke Ariolimax dolichophallus (langer Penis), deren Penis das Doppelte der Körpergröße erreicht. Aufgrund dieser Größe kann das Geschlechtsteil nach der Paarung oft nicht aus dem weiblichen Genitaltrakt befreit werden. Um freizukommen, wird der Penis von seinem Besitzer oder der anderen Schnecke abgebissen. Die amputierte Schnecke lebt danach in der ausschließlich weiblichen Rolle weiter.

Beim Wasserschnegel, einer Landschneckenart, die in Nord- und Mitteleuropa weit verbreitet ist, kommt es nach dem Geschlechtsakt ebenfalls zu einem Abbiss. In diesem Fall wird der Penis vom Geschlechtspartner verzehrt. Die Gründe dafür sind noch nicht abschließend geklärt. Möglicherweise dient der Verzehr dem Empfänger als zusätzliche Versorgung mit hochwertigen Nährstoffen für die Eierproduktion. Damit trägt der Spender dafür Sorge, dass die eignen Gene verbreitet werden.