Ja, sie sind auch ausgebrochen: Pablo Escobars Nilpferde. Die tierische Hinterlassenschaft des Drogenbosses hat sich in Kolumbien breitgemacht.

Der kolumbianische Drogenboss Pablo Escobar wollte alles, und zwar wann und wo es ihm gefällt. Und so hat er posthum dafür gesorgt, dass sich Nilpferde in Kolumbien angesiedelt haben. Und dort sind sie ziemlich unberechenbar unterwegs, denn eigentlich sind sie ausschließlich in Afrika zuhause.

Nilpferde übernehmen die Hacienda

Etwa 2,7 Milliarden Dollar soll Escobar zu Lebzeiten besessen haben. 1979 erwarb er für 63 Millionen US-Dollar die "Hacienda Nápoles" eine 3000 Hektar große Ranch - Rund 200 Kilometer südöstlich gelegen von seiner Heimatstadt Medellín.

Auf seinem Mafiastützpunkt gab es neben einem Hubschrauberlandeplatz und einer Stierkampfarena einen Privatzoo seltener Tiere - darunter vier Nilpferde. Angeblich nicht nur aus Tierliebe, sondern auch um mit dem Geruch des massenhaft produzierten Tierdungs Drogenspürhunde zu verwirren.

Mit dem Tod Escobars - 1993 wurde er nach langer Flucht von der Polizei erschossen - war es auch mit seinem privaten Tierpark vorbei. Aus der "Hacienda Nápoles" wurde eine Art Disneyland für Narcos-Fans. Die meisten Tiere wurden in Zoos gebracht. Nur die Nilpferde blieben auf dem Gelände. Allerdings nicht lange.

Die Nilpferde hatten nämlich bereits rasch die Zäune der Ranch durchbrochen und sich in den umliegenden Gewässern prächtig verbreitet. Etwa 50 bis 60 Exemplare gibt es dort heute. Ungefährlich sind die Tiere dabei weder für den Menschen, noch für die Artenvielfalt.

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Das gutmütig wirkende Säugetiere ist in fremden Gefilden eine invasive Art

Naturschützer befürchten, dass Escobars Hippos bedrohte heimische Arten wie Otter oder Seekühe verdrängen könnten. Auch das Ökosystem der Flüsse könnte ihrer Meinung nach in Bedrängnis sein durch riesige Mengen an Exkrementen, die die gewaltigen Tiere dort verteilen. Außerdem bringen die Nilpferde Krankheitserreger mit.

Nilpferde zählen zu den gefährlichsten Säugetieren weltweit. Nach Expertenschätzungen sterben auf dem afrikanischen Kontinent etwa 100 Menschen durch Nilpferd-Angriffe jährlich. Die Tiere, die locker 2000 Kilogramm und mehr wiegen können, reagieren äußerst aggressiv, wenn jemand in ihr Territorium eindringt. Mit ihren messerscharfen riesigen Hauern sind sie eine ernste Gefahr.

Verletzte oder Tote hat es in ihrer neuen Heimat bisher nicht gegeben. Aber die Angst der Bevölkerung vor der weiter wachsenden Population wächst - auch aufgrund immer neuer Mensch-Nilpferd-Begegnungen. So wurde erst kürzlich ein Nilpferd in einer Grundschule gesichtet. Ein anderes Tier war zuvor 250 Kilometer von der Hacienda entfernt aufgetaucht. Auf der Suche nach Nahrung und geeigneten Revieren legen die Nilpferde durchaus auch lange Strecken zurück.

Nicht im Zaum zu halten

Bei der Bekämpfung des Nilpferd-Problems kommen die kolumbianischen Behörden nur schwer weiter: Alle bisherigen Zäune trampelten die Tiere schnell nieder. Vor der Einrichtung eines kostspieligen Nilpferd-Reservats oder vor teuren Elektro- oder Metallzäunen schreckten die Verantwortlichen aber bisher zurück. Stattdessen wird versucht, die Population einzudämmen. Einige Weibchen wurden in Zoos ausgelagert, außerdem gab es Versuche, Männchen zu kastrieren. Für das Tier eine sehr riskante Prozedur.

Eine echte Lösung scheint bisher nicht in Sicht. Zu hoffen bleibt, dass die Situation nicht eskaliert. Zuletzt hatten 2009 kolumbianische Soldaten den Nilpferdbullen namens "Pepe" erschossen. Das Männchen, noch eines der Ursprungstiere der Escobar-Ära, war durch besonders aggressives Verhalten aufgefallen.

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