Omi ist die Beste - jedenfalls geht bei Elefanten, Orcas oder den Indischen Languren so gar nichts ohne die Großmutter.

Zugegeben - Großmütter sind für die meisten Tierarten nicht besonders wichtig. Weil sich alte Weibchen nach dem Ende ihrer Fruchtbarkeit nicht mehr fortpflanzen, aber wertvolle Ressourcen wie Nahrung oder Wasser verbrauchen, übernehmen sie keine Funktion mehr für den Erhalt ihrer Art. Nur bei Elefanten und einigen anderen Arten ist das anders.

Alte Elefantenkühe führen erfolgreich ihre Herden

Bei Elefanten sind Großmütter enorm wichtig, denn eine Elefantenherde wird  in der Regel von einer alten Elefantendame mit Erfahrung angeführt. Das kann für die Herde überlebensnotwendig sein. Denn zum Beispiel wissen erfahrene Leitkühe ganz genau, wo die Herde in Dürrezeiten noch Wasser findet. Und eine Langzeituntersuchung im kenianischen Amboseli-Nationalpark zeigt deutlich, dass Elefantenherden mit älteren Leitkühen mehr Nachkommen haben, als Herden mit jüngeren.

„Bei Elefanten ist die Großmutter, die 60 Jahre und älter werden kann, also ähnlich wichtig, wie bei uns Menschen.“
Mario Ludwig sieht Parallelen

Die Orca-Omi unterrichtet den Nachwuchs

Orca
© imago

Auch bei Orcas spielen Großmütter eine wichtige Rolle - sie werden bis zu 100 Jahren als. Die Weibchen bleiben zeitlebens mit ihren Söhnen und Enkeln zusammen. Nach der Menopause mit etwa 40-50 Jahren helfen die Weibchen der Gruppe mit Wissen und Erfahrung. So kennen erfahrene Orcaweibchen gute Jagdgewässer und sichere Rückzugsgebiete. Und sie bringen den Jungtieren Jagdtechniken, Echo-Ortung und die Dialekte anderer Walgruppen bei. Die Orca-Großmütter unterstützen also ihre Gruppe beim täglichen Kampf ums Überleben und stellen so sicher, dass ihre eigenen Gene weitergegeben werden.

Bei Pott- und Grindelwal ist die Granny Babysitter

Ein Pottwal unter Wasser.
© Imago | Nature Picture Library

Bei den auch in Familienverbänden lebenden Pott- und Grindwalen übernehmen die bis zu 80 Jahre alt werdenden Weibchen den Job der Babysitterin. Wenn die erwachsenen Wale auf der Suche nach Nahrung in mehrere hundert Meter Tiefe vordringen, hüten die alten Weibchen den Nachwuchs an der Wasseroberfläche. Denn die jungen Wale sind rein anatomisch noch nicht in der Lage, so tief zu tauchen. 

Die Schlankaffen-Großmütter als mobile Eingreiftruppe

Die Rolle der bis zu 20 Jahre alt werdenden Großmütter bei den Indischen Languren ist die der Verteidigung. Die so genannten Schlankaffen leben auf dem indischen Subkontinent in Gruppen von bis zu 40 Tieren zusammen. Bei den Languren sind die Großmütter eine Art mobile Eingreiftruppe - sie schützen ihre Gruppe vor Angriffen durch Fressfeinde oder rivalisierende Affen. Dabei kämpfen die Omas mit vollem Körpereinsatz und nehmen auch Verletzungen in Kauf.

"Leider - und jetzt wird es ein bisschen traurig - ist auch im Tierreich Undank der Welt Lohn: In der Gruppenhierarchie sind diese Großmütter ganz unten angesiedelt."
Mario Ludwig, Biologe

Die jüngeren Affen nehmen den alten Weibchen nämlich nicht nur oft die Nahrung weg, sondern vertreiben sie auch von den besten Liegeplätzen.