In der Humanmedizin sind Prothesen schon lange ein wichtiges Instrument. Nun nutzen auch Tierärzte Prothesen, um die Lebensqualität ihrer  Patienten zu verbessern. Unser Tierexperte Mario Ludwig hat einige außergewöhnliche Beispiele mitgebracht.

In den vergangenen Jahren hat die Prothetik für Tiere beeindruckende Fortschritte gemacht. Hunde, Katzen oder Pferde, denen in Folge eines Unfalls oder einer Erkrankung Körperteile amputiert werden mussten, waren früher zu einem Leben mit deutlich verminderter Beweglichkeit verurteilt oder wurden gleich eingeschläfert.  

Von einfachen Prothesen bis zu Spezialanfertigungen

Heute können diese Tiere dank passender Prothesen oft ein Leben ohne allzu große Einschränkungen führen. Die Prothesen können ganz unterschiedlich sein. Sie reichen von einem einfachen und kostengünstigen Stützrad, das behinderten Hunden untergeschnallt wird, bis zu Hightech-Prothesen aus Karbon oder speziellem Kunststoff. Die Kosten liegen bei etwa 200 bis 800 Euro für einfache Prothesen. Spezialanfertigungen aus Karbon und mit Gelenk können deutlich teurer werden.

Die Nachfrage nach Prothesen für Tiere ist deutlich gestiegen. Immer mehr wohlhabende Tierbesitzer sind dazu bereit, eine teure Prothese für ihren Liebling zu bezahlen und ihm damit ein besseres Leben zu ermöglichen. Hinzu kommt, dass die Tierprothesenentwicklung von Technologien aus anderen Feldern, wie etwa der Luftfahrt, der Automobilindustrie oder der Humanmedizin profitiert. 

Der Schnabel: Das Statussymbol der Tukan-Männer

2015 erhielt Grecia, ein costa-ricanischer Tukan, dem Jugendliche einen Teil des Schnabels abgeschlagen hatten, eine Schnabelprothese aus Nylon. Diese war mit Hilfe eines 3-D-Druckers gefertigt und mit einem Spezialkleber am Stumpf des echten Schnabels befestigt worden. Die Schnabelprothese war für Grecia lebensnotwendig, denn mit dem verletzten Schnabel konnte er kaum fressen. Außerdem ist der Schnabel ein wahres Statussymbol für männliche Tukane, ohne Schnabelersatz hätte Grecia bei den Tukan-Damen nicht punkten können.  

"Diese Prothese war bitter nötig, denn Grecia konnte mit dem kaputten Schnabel nur mit Mühe fressen."
Mario Ludwig, Biologe

Auch bei der Schildkröte Freddy kam ein 3-D-Drucker zum Einsatz. Ein Großteil von Freddys Panzer war bei einem Buschfeuer in Brasilien verbrannt. Die sogenannten The Animal Avengers, eine Gruppe von Ärzten, entwickelten einen Kunstpanzer für Freddy. Dieser bestand aus vier Einzelteilen, die um das Tier herum zu einem mit dem Körper verbundenen Gesamtpanzer operiert wurden. Um Freddy vor Diskriminierung durch Artgenossen zu schützen, wurde der künstliche Panzer anschließend bemalt, damit er möglichst echt aussah. 

Auch große Tiere können mit Prothesen versorgt werden. Die asiatische Elefantenkuh Motola verlor 1999 bei einem Arbeitseinsatz im Grenzgebiet zwischen Thailand und Myanmar ihr linkes Vorderbein, als sie auf eine Landmine trat. Motola bekam zunächst eine provisorische Prothese, aus mit Sägespänen und Sand gefülltem Segeltuch. Vier Jahre später wurde die provisorische Prothese durch eine moderne aus Glasfasern und Silikon ersetzt, mit der die Elefantendame laut Aussage ihrer Pfleger ausgezeichnet zurechtkommt.

Eine künstliche Schwanzflosse für 95.000 Euro

Dass auch Tieren, die im Wasser leben, mit einer  Prothese geholfen werden kann, zeigt der Fall des japanischen Delfin-Weibchens Fuji. Fuji, die im Aquarium von Okinawa zu Hause war, hatte 2002 einen Unfall und verlor 75 Prozent ihrer Schwanzflosse. Der Reifenhersteller Bridgestone ließ für Fuji eine künstliche Schwanzflosse aus Silikon anfertigen. Kosten: 95.000 Euro. Eine Investition, die jeden Cent wert war. Der Delfin mit der künstlichen Schwanzflosse erregte weltweit Aufmerksamkeit und bedeutete einen enormen Werbeeffekt für das Unternehmen.