So ein Fell ist praktisch, hält warm und ist kuschelig. Als einzige Vertreter der Primaten verzichten wir Menschen allerdings genau darauf. Die Thesen zur "Enthaarung" des Homo sapiens kennt der DRadio-Wissen-Biologe Mario Ludwig.

Schaut man auf den Affen als nächste Verwandtschaft des Menschen oder auf unsere Vorfahren findet man ein Fell. Zum Fellverlust bietet die Wissenschaft verschiedene Thesen. Mario Ludwig stellt sie vor.

Fellverlust-Hypothese Nr. 1: Der Umzug vom Wald in die Savanne

Nach dieser Hypothese gab der Homo ergaster das Leben im Wald vor rund 1,6 Millionen Jahren auf, um in der ungleich heißeren Savanne als Jäger zu leben. Unter der heißen Sonne Afrikas mussten damit Antilopen und andere Tiere gejagt werden. Eine Lebensweise, die mit Fell eine unerträgliche Hitze bedeutet. Denn bei schweißnassen beziehungsweise schweißbedeckten Fell nimmt die Kühlwirkung deutlich ab. Das konnten US-amerikanische Wissenschaftler schon vor einigen Jahren nachweisen. Die Feuchtigkeit kann dann nämlich nicht mehr auf der Haut selbst verdunsten, Körperwärme kann nicht mehr abgeführt werden und es droht ein Hitzestau. Aus diesem Grund erleiden Tiere mit Fell bei großer Hitze in Kombination mit großer körperlicher Anstrengung schnell einen Hitzschlag.

Allerdings hat die Hitze-Theorie auch eine Schwäche. Denn die Gefahren liegen bei fehlender Behaarung in der vorhandenen UV-Strahlung, die Sonnenbrand und Hautkrebs verursachen kann. Ein Fell bietet einen deutlich
besseren Schutz als die fellfreie nackte Haut.

Fellverlust-Hypothese Nr. 2: Weniger Haare bedeuten weniger Ungeziefer

Nach der aktuell am meisten favorisierten Theorie verlor der Mensch sein Fell, um sich besser vor Ungeziefer zu schützen. Ektoparasiten wie etwa Läuse können sich im Fell viel besser einnisten als auf glatter Haut. Erkennbar wird das beim Befall durch Kopfläuse. Rasiert man die Haare, verschwinden die Läuse schneller als ohne Rasur. Grundsätzlich bergen blutsaugende und schwere Krankheiten übertragende Parasiten ein großes Risiko. Das Ablesen - das "Lausen" von Parasiten - kostet viel Zeit, die dann für die wichtigen Dinge des Lebens fehlen. Zum Beispiel die Jagd oder das Sammeln von Früchten.

Kein Fell, aber ausgewählte Stellen mit viel Haar

Die übrig gebliebenen Haare auf dem Kopf, in der Schamgegend oder unter den Achseln haben nach Ansicht der Wissenschaft verschiedene Gründe: Die Kopfbehaarung schützt das sehr hitzeempfindliche Hirn des Menschen vor allzu viel Sonneneinstrahlung. In Sachen Schamhaar glauben die Wissenschaftler, das es zum Schutz der empfindlichen Genitalien dient. Und möglicherweise sexuelle Anreize schafft. Dabei geht es auch um die Wirkung von Pheromonen. Diese Sexualduftstoffe produziert auch der Mensch noch in geringem Maß zur Steigerung sexueller Reize.

Säugetiere: Haarlos an Land und im Wasser unterwegs

Dass andere Säugetiere wie Wale oder Seekühe im Lauf der Evolution ihre Haare verloren haben, ist geklärt. Bei Walen, Delfinen oder Seekühen wäre ein Fell beim Schwimmen und Tauchen hinderlich - es erhöht den Wasserwiderstand. Den Wärmeverlust, der durch den fehlenden Pelz entsteht, gleichen diese Tiere durch eine dicke, wärmende Speckschicht aus - den sogenannten "Blubber".

Bei den großen Landsäugetieren wie den Elefanten, den Nashörnern oder den Nilpferden ist der Verlust des Fells dagegen auf die ständige Überhitzungsgefahr in ihren sehr heißen Verbreitungsgebieten zurückzuführen. Größeren Tieren steht nämlich im Verhältnis zu ihrer Masse weniger Oberfläche zur Verfügung als kleineren Tieren, um überschüssige Körperwärme abzugeben. Für sie wäre ein Fell nicht nur äußerst hinderlich, sondern sogar lebensgefährlich.