Schon wieder ein Datenfail: Das Blog mobilsicher.de hat Apps aus dem Play Store untersucht. Rund 30 Prozent der Apps nehmen beim Aufrufen Kontakt mit Facebook auf.

Dating-Apps wie Ok Cupid, Tinder oder Grindr melden sich bei Facebook, sobald sie auf dem Smartphone gestartet werden. Bei diesen Apps nicht ganz verwunderlich, schließlich können wir uns dort auch über unser Facebook-Profil anmelden. Aber auch Apps, die auf den ersten Blick nichts mit Facebook zu tun haben, senden bei der Anmeldung Daten an das Unternehmen. 

Sie geben zum Beispiel die Uhrzeit weiter, die Modellbezeichnung des Geräts, unsere IP-Adresse oder unsere Werbe-ID bei Facebook. Das heißt, Facebook weiß dann genau, wie oft wir eine entsprechende App nutzen. Und das kann schon ziemlich viel über uns verraten.

"Wenn du Grindr nutzt, weiß Facebook dass du homosexuell bist. Wenn du Moodpath nutzt, hast du vermutlich Depressionen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Anhand der genutzten Apps versucht Facebook herauszufinden, welche Werbung für uns wohl am passendsten sein könnte. Wenn wir uns zum Beispiel von der App "Muslim Pro" an die fünf Gebetszeiten erinnern lassen, könnte die Werbung für Halal-Pizza besser funktionieren als eine für "Deutschländer Würstchen", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte.

Alle Daten, die von den Apps an Facebook gefunkt werden, sind anonymisiert. Das Problem dabei: Melden wir uns auch nur einmal über die App bei Facebook an, ist die Anonymität weg. Denn in dem Fall wird die Werbe-ID aus der App mit unserem Facebook-Profil verknüpft. Das heißt, ab dem Zeitpunkt sind wir sozusagen enttarnt. Das hat Facebook gegenüber dem Blog Mobilsicher bestätigt.

Datenaustausch auch von Entwicklern unbemerkt

Jetzt ließe sich einwenden, die App-Entwickler müssten die Nutzer über diesen Datenaustausch aufklären. Aber: Die wissen oft selbst nicht, dass ihre Apps Daten an Facebook weiterfunken. Denn Facebook stellt den Entwicklern einen fertigen Code-Baustein namens "Software Development Kit" zur Verfügung.

"Dieses Modul ist eine Art Service für App-Entwickler und verrät ihnen wie gut ihre App funktioniert, woher die User kommen und so weiter", sagt Martina Schulte. "Und weil dieses Modul sehr gut ist, ist es sehr beliebt."

"Wenn wir uns zum Beispiel von der App 'Muslim Pro' an die fünf Gebetszeiten erinnern lassen, könnte die Werbung für Halal-Pizza besser funktionieren als eine für 'Deutschländer Würstchen'."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Das Problem an der Sache ist aber: Die Nutzerdaten, die dabei anfallen, landen alle bei Facebook. Das Blog Mobilsicher schreibt dazu, die Anbieter und App-Entwickler würden sich da offenbar wenig Gedanken machen. Das liege zum Teil daran, dass sie nicht genau wüssten, was das Facebook-Modul eigentlich tue. Und das führt dazu, dass die Anbieter die Nutzer über diesen Datenaustausch nicht aufklären.

Um zu verhindern, dass Facebook diese Daten zu Werbezwecken verwendet, hilft nur eins: Facebook aufrufen und in den Privatsphäre-Einstellungen die personalisierte Werbung ausschalten. Das heißt aber nicht, dass die Werbe-ID nicht mehr übertragen wird. Sondern nur, dass die übertragenen Daten nicht mehr für personalisierte Werbung genutzt werden dürfen. Gespeichert werden die Daten trotzdem.

"Ein Problem sieht Facebook in diesem neuen Datenfail übrigens nicht: Denn wir Nutzer hätten ja die Wahl: Jeder könne sich gegen personalisierte Werbung entscheiden."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Mehr zum Thema: