Seit Ende Mai soll die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) unsere Daten besser schützen. Unabhängig davon können wir auch selbst etwas tun. Es gibt alternative Betriebssysteme für das Handy und den Computer. Außerdem Browser, die jetzt schon automatisch unsere werberelevanten Daten für sich behalten, wenn wir der Weitergabe der Daten nicht aktiv zustimmen. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Ramona Westhof hat sich schlau gemacht. 

Grundsätzlich gilt: Alle Programme, die ihren Quellcode offen zugänglich machen - also Open Source sind - haben einen großen Vorteil: In diesen Programmen können wir nämlich nachgucken – oder nachgucken lassen – dass auch ganz sicher keine Daten verdeckt an irgendwen weitergegeben werden. 

Wenn Seiten mitlesen und die Daten weitergeben

Seit Start der DSGVO haben viele Seiten einen Warnhinweis, der über die Weitergabe der Daten informiert. So hat unsere Reporterin Ramona zum Beispiel bei ihrer Recherche erfahren: Die Seite, auf der sie Kochrezepte liest, liest quasi zurück. 

"Was ich aber erfahre: Die Seite, auf der ich Kochrezepte lese, die liest zurück."
Ramona Westhof

Das bedeutet, dass diese Seite die Interessen des Nutzers ausliest, zum Beispiel, welche Werbung angeklickt wird und welche Rezepte Ramona gelesen hat. Und die Webseite behält diese gesammelten Informationen nicht für sich: Sie teilt sie: mit anderen Firmen, die Ramona dann Werbung anzeigen, die genau zu ihrem Surfverhalten passen. Ramona bekommt als Nächstes eine Liste mit Firmennamen angezeigt, die darauf spezialisiert sind, gesponserte Links anzuzeigen: zum Beispiel Outbrain UK Ltd, Nielsen Marketing Cloud oder auch Google. Die DSGVO also schon mal erreicht, dass diese Informationen jetzt sichtbar sind.  

Oft sind wir uns der Weitergabe unserer Daten nicht bewusst

Nach Meinung von Kerstin Demuth vom Datenschutzverein Digitalcourage reicht das aber noch nicht aus. Und es reiche auch nicht, der Datensammlung durch Websites nicht zuzustimmen, nichts mehr auf Facebook zu liken oder sich direkt im Social Network abzumelden. 

Denn die größten Datenkraken, wie zum Beispiel Facebook, hätten wirklich sehr viele Daten selbst über Leute, die da nicht angemeldet sind. Die bekämen sie zum Beispiel durch eingebettete Buttons auf anderen Webseiten oder weil Daten zugekauft würden, und weil Firmen daraus eben Profile errechneten. Nach Kerstin Demuths Darstellung sind das häufig Daten, bei denen wir uns selber nicht mal bewusst sind, dass wir diese irgendwem gegeben haben. 

"Daten, die einfach zum Beispiel durch unsere Klicks, durch unsere Mauszeigerbewegungen und welche Seiten wir ansurfen, erhoben werden. “

Seit dem Inkrafttreten der DSGVO hat sich vor allem für Unternehmen viel geändert, sagt der Jurist Matthias Bäcker von der Universität Mainz. Denn diese müssten sich jetzt fragen und auch fragen lassen, welche Daten sie eigentlich wofür brauchten.

"Die Verordnung zwingt sehr stark dazu, jetzt genau diese vorgelagerte Frage wirklich zu stellen und sich darüber auch selbst Rechenschaft abzulegen und auch in einer kontrollierbaren Weise zu dokumentieren."

Um das zu gewährleisten, sei die Stellung der Datenschutz-Aufsichtsbehörden gestärkt worden, so Matthias Bäcker weiter. Denn es gehe um die Möglichkeit, wie die Interessen von Personen gebündelt wahrgenommen werden könnten.

"Es geht darum, dass die Interessen von Personen gebündelt wahrgenommen werden können durch spezialisierte Organisationen, die lesen die dann und sehen, ob da irgendwelche Probleme sich verstecken."
Matthias Bäcker, Universität Mainz

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