60 Prozent des Kobalts, das sich in den aufladbaren Akkus unserer Smartphones, Elektroautos und Laptops befindet, wird in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut. Hauptsächlich von Kindern, obwohl Kinderarbeit auch dort verboten ist.

Die Stadt Kolwezi hat knapp eine halbe Million Einwohner und gilt als die Kobalt-Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Unsere Korrespondentin Linda Staude hat die Stadt besucht und beschreibt sie als eine einzige große Baustelle. Riesige Flächen seien aufgerissen, ein Stadtviertel sei wie ein Schweizer Käse durchlöchert. 

In Kolwezi gibt es nicht nur große, ausländische Konzerne, die Bergwerke betreiben. Auch Privatleute graben in ihren Hinterhöfen nach Kobalt, denn das Metall ist überall auf dem Stadtgebiet verteilt. Mit ihren Händen graben sie 10, 20, manchmal 50 Meter in die Tiefe. Enge Löcher, in die man sich gerade so hineinzwängen kann, erzählt Linda Staude.

"Ich hatte keine andere Arbeit. Meine Brüder haben mir gesagt, in den Minen kannst Du viel Geld verdienen. Deshalb habe ich dort angefangen."
Arcel hat mit 13 Jahren angefangen, in einer Mini-Mine nach Kobalt zu graben

Geschätzt 15 Prozent des Kobalts aus der Demokratischen Republik Kongo wird nicht von großen Bergbaukonzernen abgebaut, sondern von Arbeitern in handgegrabenen Erdlöchern. 

Lebensgefährliche Arbeit in ungesicherten Tunneln

Oft sind es Kinder, die diese Arbeit machen, weil sie klein und beweglich sind und gut in den eng gegrabenen Tunneln vorankommen. Allerdings ist der Kobaltabbau in diesen handgegrabenen Tunneln sehr gefährlich, weil sie nicht gesichert sind. Steine können aus den Schachtwänden auf die arbeitenden Kinder fallen, die Tunnel können zusammenstürzen. Todesfälle gibt es immer wieder. Dabei ist Kinderarbeit auch in der Demokratischen Republik Kongo verboten.

Hilfsorganisationen schätzen: 20.000 Kinder bauen in der kongolesischen Provinz Katanga Kobalt ab

Hilfsorganisationen versuchen herauszufinden, in welchen Minen Kinder arbeiten, und dafür zu sorgen, dass so viele wie möglich aus den Mini-Minen herausgeholt werden, damit sie zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen können. Oft aber arbeiten Kinder, weil ihre Eltern krank sind und die Familie kein Geld für Essen oder die Schule hat, berichtet unsere Korrespondentin Linda Staude. 

"Zu Beginn unseres Projekts haben wir fast 10.000 Kinder in den Minen aufgespürt. Wir kümmern uns um neun Standorte. Seither haben wir 1.200 Kinder da rausgeholt."
Florence Mambo, Mitarbeiterin World Vision

Ein Verbot der Mini-Minen reicht nicht aus, sagt die Korrespondentin, weil es oft die einzige Einnahmequelle für viele Bewohner der Stadt ist. Eine spezielle Minenpolizei bewacht die Minenfelder, um Kindern den Eintritt zu verwehren. Allerdings seien diese Polizisten oft korrupt. Nachdem die Kinder bis zu zwei Drittel ihres Lohns an die Minenpolizei abgegeben haben, bleiben ihnen umgerechnet oft nur 1,50 Euro für ihre körperlich anstrengende Arbeit übrig, erzählt Linda Staude. 

"Wenn Du ihnen etwas zahlst, lassen sie Dich durch. So 2.000 Francs. Wenn ich 3.000 verdiene, bleiben mir dann nur noch 1.000 Francs."
Ein Kind, das in den Kobalt-Minen arbeitet.

60 Prozent der weltweiten Kobaltmengen kommen aus der Demokratischen Republik Kongo, so Linda Staude. Die Provinz Katanga lebt vom Kobalt und vom Kupfer, das dort ebenfalls abgebaut wird. Der größte Teil wird von großen Bergbaukonzernen aus der Erde geholt, die entweder aus dem Kongo selbst oder aus dem Ausland stammen. Die meisten davon sind chinesische Unternehmen. 

Rücksichtslose Umsiedlungen durch Bergbaukonzerne

Sie erhalten Konzessionen von der Regierung und haben dann auch das Recht, Kongolesen gegen eine Entschädigung umzusiedeln, erklärt unsere Korrespondentin. Dabei seien die Menschen auf die Großzügigkeit der Unternehmen angewiesen. Sie berichtet zum Beispiel von einem Fall, in dem Menschen in die Wüste umgesiedelt wurden, ohne dass dort eine intakte Wasserversorgung oder eine größere Stadt existieren würde. Von ihrer Regierung erhalten diese Menschen keine Unterstützung.

Auch bei der Vergabe der Konzession soll es viel Korruption zwischen Konzernen und der Regierung geben, die sich allerdings nur schwer nachweisen lässt, sagt Linda Staude.

Keine Hoffnung auf Veränderung durch neue Regierung

Félix Tshisekedi ist seit 2019 der neue Präsident der Demokratischen Republik Kongo. Er ist der Nachfolger von Joseph Kabila, der das Land fast 18 Jahre regiert hat. Es werde gemunkelt, dass Félix Tshisekedi einen Deal mit der alten Regierung gemacht habe. Daher glaubt unsere Korrespondentin Linda Staude nicht, dass der neue Präsident zum Wohle der Minenarbeiter und Bewohner auf die lukrativen Mineneinnahmen verzichten werde.

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