Deniz Yücel sitzt seit einem Jahr in U-Haft. Die türkische Regierung ist das Spiel mit dem Gefangenen und der Öffentlichkeit leid - vielleicht.

Seit dem 14. Februar 2017 sitzt Deniz Yücel in Untersuchungshaft - ohne Anklage. Die türkischen Behörden werfen dem deutsch-türkischen Journalisten Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Datenmissbrauch und Terrorpropaganda vor.

Der Fall ist zu einer massiven Belastung des deutsch-türkischen Verhältnisses geworden. Ein Prozessbeginn ist nicht in Sicht. Zum Jahrestag seiner Festnahme gibt es dennoch Anzeichen, dass sich die türkische Seite bewegt.

Ein andeutungsreiches TV-Interview

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim betonte zu Beginn eines ARD-Interviews erneut die Unabhängigkeit der türkischen Justiz. Er sagte aber auch, dass es in Kürze eine Entwicklung in Deniz Yücels Fall geben werde.

Unsere Korrespondentin in Istanbul, Karin Senz, erinnert daran, dass vom türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu bereits im Januar ähnliche Signale kamen.

Daraufhin habe das türkische Verfassungsgericht zwar entschieden, das zwei andere Gefangene aus der Haft entlassen werden sollten. In der Folge sei allerdings die  Regierung eingeschritten. Die beiden Inhaftierten sitzen noch ein.

Türkischer Ministerpräsident besucht Deutschland

Am 15. Februar besucht Ministerpräsident Binali Yildirim Kanzlerin Angela Merkel. Karin Senz, Korrespondentin in  Istanbul, hält eine  unmittelbare Freilassung von Deniz Yücel direkt im Anschluss an das Gespräch für unwahrscheinlich.

"Deutschland sagt, es gibt keine Deals und die Türkei sagt, die Gerichte in der Türkei sind völlig unabhängig."
Karin Senz, Korrespondentin in Istanbul

Mehr zu Deniz Yücel bei Deutschlandfunk Nova: