Eine Studie aus Tel Aviv sorgt für Aufsehen - das Hirn von Frauen und Männern unterscheidet sich gar nicht so stark, wie wir bisher dachten, heißt es da. Also denken Männer und Frauen gar nicht anders? Ganz so gleich ist es nicht, sagt der Neurologe Magnus Heier.

Frauen sind intuitiver und Männer können besser strategisch denken. Und dann bekommen Frauen es angeblich auch besser hin, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, während Männer besser räumlich denken können. Kurz: Frauen und Männern denken anders und auch für Neurowissenschaftler war lange Zeit klar: Männer und Frauen haben unterschiedliche Gehirne. Bis jetzt - denn jetzt kommt eine neue Studie zum Schluss: So unterschiedlich ist die Schaltzentrale bei ihr und ihm gar nicht. Ein internationales Forscherteam in Tel Aviv hat Kernspin-Aufnahmen von 1400 Probanden untersucht. Und demnach gibt es Merkmale, die eher bei Frauen zu finden sind und andersherum. Einige kommen aber auch bei beiden Geschlechtern vor.

Es gibt Unterschiede

Magnus Heier, Facharzt für Neurologie, hat sich die Studie angesehen. So richtig spannend findet er die neue Studie nicht, sagt er. Ihn langweilt vor allem die Untersuchungsmethode. Dabei geht es um die Verteilung der Zellen im Hirn. Die Erkenntnis: Zellverteilungen, die eigentlich eher Männern zugeschrieben werden, kommen durchaus auch bei Frauen vor - und umgekehrt.

Für Magnus Heier ist weiterhin klar: Es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Dabei gehe es aber um die Frage, ob das ererbt ist, in den Genen liegt oder anerzogen ist. Besonders spannend für Magnus Heier sind allerdings nicht die Zellen, sondern die Verbindungen zwischen den einzelnen Zellen.

"Nein, es ist nicht so, dass Männer- und Frauenhirne ziemlich gleich sind. Und es wäre auch ein Wunder, wenn das so wäre."
Magnus Heier, Facharzt für Neurologie

Jede Zelle habe Tausende Verbindungen und die seien ganz entscheidend für unseren Charakter, so Magnus Heier. Auch das lasse sich mit einer Infusionstechnik testen, bei der ein Verbindungsmuster sichtbar werde. Und hier zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Demnach gibt es bei weiblichen Hirnen mehr Verbindungen zwischen den Hirnhälften. Männer hätten dagegen im Mittel mehr Verbindungen in jeder Hälfte.

Wer im Medizinstudium ein Hirn in der Hand hält, kann nicht auf den ersten Blick erkennen, ob es von einem Mann oder einer Frau stammt. Im Mittel ist das Hirn eines Mannes ein wenig größer, aber das gelte auch für den Rest des Körpers. Der eigentliche Unterschied liege also nicht in der Form des Hirns, sondern in der Verschaltung.