Es war bereits schön warm. Aber an vielen Orten scheint der Winter zurückgekehrt zu sein. In einigen Regionen gibt es Nächte mit deutlichen Minustemperaturen. Dieser Kälteeinbruch bereitet Obstbauern wie Gerd Schindler Sorgen.

Gerd Schindler ist Bio-Obstbauer in Achern-Mösbach im Schwarzwald. In der Region in Baden-Württemberg werden reichlich Äpfel, Kirschen oder auch Birnen angebaut. Die Blüten mancher Obstbäume sind – auch aufgrund der bereits warmen Temperaturen – am Blühen.

Vor allem das Steinobst ist gefährdet

Doch der Kälteeinbruch und die aktuellen Minustemperaturen in der Nacht machen Gerd Schindler Sorgen. Auch in Frankreich bangen viele Winzer und Obstbauern um die Ernte. Die Nacht vom 3. auf den 4. April war die kälteste Aprilnacht in Frankreich seit 1947.

Solche Minustemperaturen können die Blüten kaputt machen, so Gerd Schindler. Auf seinem Hof ist vor allem das Steinobst gefährdet. Also Zwetschgen, Kirschen und bestimmte Birnensorten. Denn die sind teils schon am Blühen. "Die sind sehr empfindlich", sagt Obstbauer Gerd Schindler. "Da macht man sich schon Gedanken."

Denn wenn die Blüten geöffnet sind, lässt der Nachtfrost die Zellen darin gefrieren und auch platzen. Die Blüten sterben dann ab. So kann in einer kalten Nacht fast der ganze Jahreslohn verloren gehen. 2017 hat Gerd Schindler das erlebt. Das Zittern um die Ernte bedeutet damit auch eine hohe psychische Belastung.

"Die Blüten sterben quasi komplett ab. Und das ist nicht mehr reparabel."
Gerd Schindler, Bio-Obstbauer im Schwarzwald

Um das zu verhindern, setzt Gerd Schindler Frostkerzen ein. Die Abwärme soll die Blüten vor dem Erfrieren schützen. Der Bio-Bauer stellt zurzeit 600 bis 800 Frostkerzen in der Nacht auf. Die Kerzen sind im Prinzip Eimer, die mit Wachs gefüllt sind. "Die Kerzen werden mit Gasbrennern händisch entzündet", sagt Gerd Schindler. Bei hunderten von Kerzen ist das ein echter Aufwand.

Der Obstbauer Gerd Schindler hat auf seiner Obstplantage zwischen Bäumen brennende Frostkerzen aufgestellt; es ist dunkel; vorne im Bild steht ein großer Baum, der mit angeleuchtet wird (Anfang April 2022)
© Gerd Schindler I privat
Damit es eine Obsternte geben kann, nutzt Bio-Bauer Gerd Schindler zurzeit hunderte von Frostkerzen.

Damit er weiß, wie viele Kerzen er aufstellen muss, orientiert er sich am Wetterbericht. Je kälter die Prognose, desto mehr und enger stellt er die Kerzen auf. Aber die Voraussagen müssen möglichst passend sein.

Der Schutz gegen den Frost kostet Geld und Zeit

Das Arbeiten mit den Frostkerzen kostet Gerd Schindler viel Zeit, aber auch Geld. "Die Kerzen kosten rund 10 Euro", sagt Gerd Schindler. Aber er muss diesen Aufwand betreiben. Er will die Ernte retten, auch damit er lieferfähig bleibt.

"Ich muss für meine Kunden ja was haben."
Gerd Schindler, Bio-Obstbauer

Gerd Schindler hofft, dass die Frostkerzen helfen. Immerhin gab es 2021 wieder mehr Regen. Die Bäume haben sich erholt, so Gerd Schindler. Die Jahre davor waren sehr trocken gewesen. Dass es wieder mehr geregnet hat, führt dazu, dass der Blütenansatz höher ist. Das ist gut gegen den Nachtfrost. "Ich hoffe, dass dadurch noch einiges durchkommt", sagt Gerd Schindler. Genauer kann er das aber erst in zwei bis drei Wochen sagen.

  • Moderator:  Till Haase
  • Gesprächspartner:  Gerd Schindler, Obstbauer