Goldrausch, deutsche Auswanderer und der letzte Sieg der Sioux: Der Expansionswunsch der USA Richtung Westen führte letztendlich zu einem blutigen Sieg über indigene Einwohner. Die soziale Lage ihrer Nachfahren ist heute oft prekär.
Die USA feiern 1876 ihr 100-jähriges Bestehen, doch hinter der Fassade des Jubiläums tobt ein erbitterter Konflikt im Westen. Die Einwanderungswellen aus Europa – verstärkt durch politische Flüchtlinge nach der Deutschen Revolution von 1848 – lassen die Städte im Osten anschwellen. Steigende Preise und knapper Wohnraum treiben viele Neuankömmlinge zur Suche nach einer neuen Existenz weiter in den Westen.
Der Goldrausch treibt die Leute Richtung Kalifornien
Als James W. Marshall 1848 bei Sutter’s Mill in Kalifornien Gold findet, löst das den legendären Goldrausch aus: Abenteurer und Siedler überqueren in großen Trecks den Kontinent, getrieben von der Hoffnung auf Reichtum und Land.
Der Weg führt die Menschen durch Gebiete, die heute Staaten wie Montana, Wyoming, South Dakota, Nebraska und Colorado bilden. Dort treffen sie auf indigene Völker, die das Land seit Generationen bewohnen. Während die Ureinwohner anfangs oft als Scouts oder Handelspartner geschätzt werden, schlägt die Stimmung schnell in Feindseligkeit um: Die Siedler und die US-Regierung beanspruchen das Territorium der indigenen Bevölkerung für sich – ungeachtet bestehender Verträge mit den Stämmen.
"Es ging um Geld, Macht, Einfluss und natürlich um Bodenschätze. Rund hundert Jahre nach Gründung hatten sich die USA nämlich so etwas wie konsolidiert."
Im Jahr 1876 gipfelt dieser Konflikt in der sogenannten "Centennial Campaign" (dem Großen Sioux-Krieg). Das Ziel dieser Militärkampagne ist es, die Lakota-Sioux und Cheyenne gewaltsam in Reservate zu zwingen, um den Zugang zu den goldreichen Black Hills zu sichern.
Sitting Bull, Crazy Horse und die Schlacht am Little Bighorn
Doch die indigenen Völker leisten erbitterten Widerstand: Unter der spirituellen Führung von Sitting Bull und dem militärischen Geschick von Crazy Horse gelingt ihnen im Juni 1876 ein spektakulärer Sieg in der Schlacht am Little Bighorn.Trotz dieses Triumphs verlieren die indigenen Völker letztlich den Krieg gegen die technologisch überlegene US-Armee und die schiere Masse der Siedler.
Heute ist die soziale Lage vieler Nachfahren in den Reservaten oft prekär. Obwohl sie seit 1924 durch den Indian Citizenship Act formal US-Staatsbürger mit gleichen Rechten sind, kämpfen viele Gemeinschaften bis heute mit den Folgen von Enteignung und struktureller Benachteiligung.
Ihr hört in Eine Stunde History:
- Der Buchautor Arne Köhler beschreibt den Krieg gegen die indigene Bevölkerung Nordamerikas.
- Die Historikerin Heike Bungert aus Münster erläutert, warum man im Deutschen den Begriff "Indianer" verwenden kann.
- Alfred Wallon hat viele Western-Romane geschrieben und erklärt die Rolle des amerikanischen Generals George Armstrong Custer.
- Die Deutschlandfunk-Amerika-Korrespondentin Anne Raith befasst sich mit der sozialen Lage der indigenen Völker heute.
- Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld blickt zurück auf das Jahr 1876, als die "Centennial Campaign" ausgerufen wurde.
- Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Wiebke Lehnhoff erinnert an die Zeit, als weiße Siedler gen Westen zogen und dort Gebiete für sich beanspruchten.
Info: Unser Bild oben zeigt einen zeitgenössischen Kupferstich nach einer Skizze von Charles St. George Stanley – in der Schlacht am Rosebud Creek während des Großen Sioux-Krieges greifen Sioux-Krieger am 17. Juni 1876 die Kavallerie von Oberst William Royall an.
- Wiebke Lehnhoff über die Auseinandersetzungen der Siedler mit den indigenen Völkern Nordamerikas
- Der Autor Arne Köhler über die "Centennial Campaign"
- Die Münsteraner Historikerin Heike Bungert erläutert den Begriff "Indianer"
- Der Romanautor Alfred Wallon beschreibt die Rolle von General Custer
- ARD Korrespondentin Anne Raith beschreibt die Lage der Indigenen heute in den USA
