Die Bahn will ihre ICEs mit neuen Fenstern ausrüsten: Die sollen Mobilfunkstrahlen besser durchlassen und damit schnelleres Internet ermöglichen. Klingt super – ist aber keine Garantie dafür, dass wir alle auch wirklich allzu bald super Internet im Zug haben.

"Die bisherigen Fenster in Zügen sind mit einer unsichtbaren Metallschicht versehen", sagt unser Reporter Konstantin Köhler. Diese Schicht soll die Züge gegen Wärme und Kälte isolieren. Was an sich ja auch eine gute Sache ist.

Doch die Metallschicht verhindert zugleich, dass Mobilfunkstrahlen ungehindert durchkommen. "Das heißt, selbst wenn an der Bahnstrecke eigentlich gutes Netz wäre, kann der Empfang im Inneren des Zuges trotzdem relativ schlecht sein", sagt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Konstantin Köhler.

Besserer Mobilfunkempfang, höhere Internet-Bandbreiten

Deshalb soll die ICE-Flotte nach und nach neue Fenster bekommen, die mit einer Metallschicht mit sehr kleinen Löchern versehen ist, um die Mobilfunkstrahlen besser durchzulassen. Laut Deutscher Bahn, sollen Ende 2022 die ersten Züge mit diesen neuen Fenstern fertig sein.

Doch die Fenster sind nur ein Teil des Problems, so Konstantin Köhler. An vielen Streckenkilometern fehlen weiterhin leistungsfähige Sendeanlagen. Das heißt, an manchen Stellen gibt es schlicht kein ausreichend schnelles, mobiles Internet. Da helfen auch keine Züge mit durchlässigeren Fenstern.

"Die wichtigsten Bahnstrecken sollen bis Ende 2024 mit schnellem Internet versorgt sein. Das sind ungefähr 25 Prozent aller Bahn-Strecken-Kilometer."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Aber es soll mehr Sendeanlagen geben. 2021 haben Deutsche Bahn und Telekom vereinbart, die wichtigsten Strecken bis Ende 2024 mit schnellem Internet zu versorgen. Ungefähr 25 Prozent aller Bahn-Strecken-Kilometer gelten als wichtigste Strecke, so Köhler. Weitere 40 Prozent sollen dann bis 2025 versorgt sein und die restlichen Kilometer bis Ende 2026.

Ob dann vor allem die Telekom-Kundschaft profitiert, ist noch nicht ganz klar. "Die Bahn will wohl auch mit Vodafone und Telefonica sprechen", sagt unser Netzreporter. "Außerdem kann man in Zügen ja auch das WLAN nutzen." Die durchlässigeren Fenster ermöglichen auch höhere Internet-Bandbreiten.

Netzabdeckung bleibt ein Problem

Aber nicht nur Menschen in ICEs klagen, dass sie nicht standardmäßig und zuverlässig schnelles Internet nutzen können. Vor allem Haushalte auf dem Land sind oft mit einer miesen Netzabdeckung konfrontiert, denn es gibt zu wenige Mobilfunkmasten. Das liegt auch daran, dass die Provider ihre Masten vor allem dort aufstellen, wo viele Menschen leben. Denn damit erreichen sie schneller ihre vertragliche Verpflichtung eine bestimmte Prozentzahl von Haushalten abzudecken.

Deshalb gibt es die Forderung, die Auflagen zur Versorgung für den Mobilfunk zu ändern. Dass es nicht mehr um Haushalte geht, sondern darum, Flächen abzudecken. Ebenso könnte das sogenannte Roaming Abhilfe schaffen.

"Eine Lösung wäre das sogenannte Roaming. Dass ich immer ein verfügbares Netz nutzen kann, egal, welchen Vertrag ich habe."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Beim Roaming können Nutzer:innen einfach das Netz auswählen, das verfügbar ist. Unabhängig vom Vertrag. Das hilft im Dorf oder in der Gemeinde, wo es möglicherweise nur einen Provider gibt, der das Netz abdeckt. Und es wäre auch für das Reisen in der Bahn sinnvoll, findet Konstantin Köhler.