Die Deutsche Bahn hat eine neue Funktion ihrer App vorgestellt. Damit soll es einfacher sein, volle Züge zu vermeiden. Ein Garant dafür, dass Reisende einen Zweiersitz für sich alleine haben, ist es allerdings nicht.

Zum Pfingst-Wochenende wird das Reisen innerhalb Deutschlands wieder einfacher – auch mit dem Zug, zum Beispiel nach Sylt, Rügen oder Oberstdorf. Auch Verbindungen in Nachbarländer sollen bald wieder aufgenommen werden, etwa nach Polen oder in die Niederlande. Mehr Reisende bedeutet aber auch ein größeres Risiko, sich mit Covid-19 anzustecken. Damit die Züge also nicht zu voll werden, hat die App der Deutschen Bahn jetzt eine neue Funktion, die uns warnt, wenn bestimmte Züge drohen, zu voll zu werden.

Auch bisher gab es in der App gelegentlich Hinweise, wenn es absehbar war, dass ein bestimmter Zug überfüllt ist. Jetzt aber soll die neue Funktion anzeigen, wenn Züge schon zu 50 Prozent oder mehr gebucht sind. Bahnreisende bekommen so die Möglichkeit, andere Verbindungen mit weniger Mitreisenden zu wählen.

Spontane Zugreisen sind weiterhin möglich

Bei Zügen, die besonders voll sind, ist es dann auch in manchen Fällen nicht mehr möglich, diese Züge anzuklicken und zu buchen. Allerdings gibt es die sogenannten Flex-Tickets. Bahnkundinnen und -kunden bezahlen dafür einen höheren Preis, damit sie flexibel wählen können, wann sie fahren. Und niemand wird ihnen verbieten können, in einen bereits gut gefüllten Zug einzusteigen.

"Man kann ja im Fernverkehr auch beim Zugbegleiter noch ein Ticket kaufen, am Ende hindert dich also niemand daran, in einen bestimmten Zug einzusteigen, wenn du unbedingt rein willst."
Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova

Eine Reservierungspflicht will die Bahn ausdrücklich nicht, sagt unser Reporter Johannes Döbbelt. Auch weiterhin sollen spontane Buchungen für den Fernverkehr möglich sein.

Lukas Iffländer arbeitet für den Fahrgastverband Pro Bahn, der meist ein kritisches Auge auf die Bahn wirft, allerdings findet auch er die aktuellen Maßnahmen gut – sowohl die neue Warn-Funktion in der App, als auch das Ablehnen der Reservierungspflicht.

"Wir sind strikt gegen die Reservierungspflicht, weil wir die Bahn als offenes System erhalten wollen. Und wichtig im offenen System ist es einfach, dass man spontan fahren kann."
Lukas Iffländer, ProBahn

Das spontane Fahren mit flexiblen Tickets sei gerade für Geschäftsreisende wichtig, sagt Lukas Iffländer, und auf die sei die Bahn angewiesen, weil sie gut an ihnen verdient.

Abstandhalten bleibt schwierig

Wenn die Züge wieder voller werden, wird es auch wieder schwieriger, anderthalb Meter Abstand zu halten, sagt Lukas Iffländer von ProBahn. Im Regionalverkehr sei das sogar jetzt schon ein Problem. Viele Regionalzüge seien jetzt schon wieder relativ voll. Und auch im Fernverkehr könnten wir nicht davon ausgehen, dass wir einen Zweiersitz für uns alleine haben.

Berthold Huber ist im Vorstand der Bahn für den Personenverkehr zuständig. Er sagt, die Bahn tue derzeit alles dafür, um viel Platz zu schaffen. Zum Beispiel schauen Zugbegleiter, wo noch freie Sitze sind und helfen Fahrgästen dabei, dass sie sich gleichmäßig in einem Zug verteilen.

"Es ist nicht so, dass wir zu jedem Zeitpunkt und immer garantieren können, dass nie ein Fahrgast neben dem anderen sitzt. Wir tun aber viel dafür."
Berthold Huber, Vorstand Deutsche Bahn

Die Bahn weist aber auch darauf hin, dass es die Maskenpflicht in allen Zügen gebe und dass derzeit mehr geputzt und gereinigt werde. Zusätzliches Personal reinige etwa während der Fahrt die Haltegriffe und Türöffner.