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Wenn bei der Bahn gestreikt wird, sind viele Kund*innen genervt. Ist der Arbeitskampf gerechtfertigt? Und was verdienen Lokführer*innen überhaupt?

Wenn Zugführer große Teile des Güter- und Personenverkehrs lahmlegen, ist der Ärger unter den Fahrgästen oftmals groß. Laut einer Umfrage des ZDF-Politbarometers im August haben 47 Prozent der Deutschen für den Streik kein Verständnis – doch genauso viele Menschen, nämlich 47 Prozent, können die Gründe für den Arbeitskampf verstehen.

Louis (seinen Nachnamen will er nicht nennen) ist 25 Jahre alt und Fahrdienstleiter. Zweimal täglich pendelt er rund 50 Minuten zu einem Stellwerk eines großen deutschen Bahnhofs. "Da steuere ich über verschiedene Tasten beziehungsweise je nach Arbeitsplatz auch über einen Computer die Weichen und Signale, damit die Züge sich von A nach B bewegen können. Das sind knapp 1500 Züge am Tag", beschreibt er seine Arbeit.

Lokführer*innen verdienen vergleichsweise wenig

Dafür bekommt er rund 3.200 Euro brutto, sagt er. Die Höhe des Lohns verändert sich außerdem durch Schichtzulagen. Nach Auskunft der Bahn verdienen Lokführer*innen inklusive Zulagen und Weihnachtsgeld zwischen 44.000 und 52.000 Euro brutto im Jahr, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Stephan Beuting.

"So groß die Spanne scheinen mag, so richtig passt das nicht zusammen mit Angaben über Einstiegsgehälter von 2.800 Euro monatlich."
Deutschlandfunk-Nova-Reporter Stephan Beuting zu den Gehaltsangaben der Deutschen Bahn

Unser Reporter ist skeptisch, was diese Aussagen angeht. Mit einem Einstiegsgehalt von 2.800 Euro kommt man nicht bis in diese Einkommensbereiche, rechnet er vor.

Um ein Gefühl für die Höhe des Gehalts zu vermitteln, vergleicht Stephan Beuting es mit Bruttojahresverdiensten im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich. Da liegen Lokführer*innen und Fahrdienstleiter*innen leicht drunter, so sein Fazit.

"Die Frage, ob das fair ist, muss jeder selbst beantworten."
Fahrdienstleister Louis zur Bezahlung bei der Deutschen Bahn

Louis jedenfalls findet es angemessen zu streiken und begründet das mit drei Argumenten:

  • Das erste ist das Belastungsargument. Viel Arbeit, dünne Personaldecke, jede Menge Stress. "Sowohl bei Fahrdienstleitern als auch bei Lokführern ist der Personalmangel eklatant groß. Und das Problem wird in den nächsten Jahren noch massiver. Vor allem bei den Lokführer*innen werden die Schichten auf das Maximale ausgereizt", so seine Begründung.
  • Als zweites Argument für einen Arbeitskampf bringt Louis die Fairness innerhalb des Konzerns an. Er sieht es nicht ein, dass die Angestellten Nullrunden hinnehmen, während sich Vorstände und Management immer wieder die Bezüge erhöhen. "Verdienst kommt von verdienen - und darin steckt ja immer die Frage: ist das gerecht?", sagt er.
  • Für Louis zählt außerdem noch ein strategisches Argument: "Mit den Gehältern, die die Eisenbahn mitgibt, holt man kaum noch jemanden hinterm Ofen hervor, dass der zur Eisenbahn kommt. Wir wollen die Verkehrswende. Aber wenn man keine attraktiven Löhne hat, hat man kein Personal, um diese Verkehrswende zu bewältigen", so sein Urteil.