Kein Zug, keine Info, genervte Kunden - das macht auch der Bahn keinen Spaß mehr. Sie will ihren Service künftig kräftig pimpen - das wurde jetzt vorab bekannt.

Eine Situation, die fast jeder kennt: Du stehst auf dem Gleis, der Zug kommt nicht. Ein Lautsprecher brüllt, du verstehst kein Wort. Die Anzeige schaltet um auf den nächsten Zug. Du hast keine Ahnung, was nun los ist. Kein Schaffner in Sicht. Die anderen wissen auch nicht weiter. Genervt beschließt du Folgendes: Beim nächsten Mal probierst du vielleicht den Fernbus aus.

Die Deutsche Bahn hat in diesem Jahr kräftig Verluste gemacht - rund 1,3 Milliarden Euro. Die Streiks, Abschreibungen, Rückstellungen, der schwächelnde Güterverkehr - das sind Gründe, die die Bahn für die Verluste nennt. Aber auch die wachsende Konkurrenz der Fernbusse ist ein Grund.

Was die Zuverlässigkeit bei Zügen betrifft, sind die Japaner wohl kaum zu toppen: Auf die Minute genau fahren dort die Hochgeschwindigkeitszüge, die Shinkansen, etwa zwischen Tokio und Osaka, wie uns Peter Kujath berichtet. Er hat lange Zeit in Japan gelebt und ist ein großer Fan der japanischen Bahn.

Peter Kujath, Journalist und langjähriger Japan-Korrespondent
"Wenn der um 17:07 Uhr angeschrieben ist, dann kommt der auch um 17:07 Uhr und nicht um 17:08 Uhr."

Strategie für die kommenden Jahre

Viele Kunden sind unzufrieden mit der Bahn. Und die will jetzt "Ärgernisse abschaffen", wie die Süddeutsche Zeitung schreibt. Sie zitiert vorab aus dem "Gelbbuch", das das Unternehmen an seine Aufsichtsräte verschickt hat. Darin ist die Strategie für die kommenden Jahre festgehalten.

Die Bahn sein "nicht fit" für die Zukunft, soll es darin heißen. Und: "Der Weg zurück in die Erfolgsspur kann nur über eine deutlich verbesserte Produkt- und Leistungsqualität führen." Konkret sind schon jetzt einige Maßnahmen bekannt geworden, die eigentlich erst am 16. Dezember offiziell vorgestellt werden sollen. Zum Beispiel:

1. Die Bahn will pünktlicher werden

Im Sommer kamen nur zwei von drei Zügen pünktlich an. Die Bahn will künftig vier von fünf schaffen. Dafür sollen Weichen mit Sensoren ausgestattet werden, die Störungen erkennen und dann einen Monteur rufen. Außerdem setzt die Bahn ab 2019 auf eine neue Software, die die Züge steuern soll.

2. Neue Anzeigetafeln sollen besser informieren

Die Anzeigetafeln am Gleis sollen künftig nicht nur einen, sondern die drei nächsten Züge anzeigen. So will die Bahn die Information bei Zugverspätungen oder Ausfällen verbessern. Man kann so also sehen, wie die Züge nacheinander einfahren - und ist nicht mehr auf Durchsagen angewiesen, die eh keiner versteht.

3. WLan in allen Zügen

Ab 2016 sollen wir in allen Zügen - egal, ob in der 1. oder 2. Klasse - W-Lan kostenlos nutzen können. Auch das Telefonieren soll besser werden, also weniger Funklöcher, bessere Qualität. Für viele eine längst überfällige Verbesserung.

Und noch mehr hat die Bahn angekündigt: Sie will alle ICEs bis kommenden Sommer komplett durchchecken - denn viele Züge fahren schon mit ausgefallener Reservierungsanzeige, verstopften Klos oder defekten Türen los. Außerdem ist geplant, dass Fahrgäste im Zug künftig selber einchecken können - dadurch sollen die Schaffner mehr Zeit für die Fahrgäste - also uns - haben.