"Peter sammelt im Wald Pilze". Klingt nicht nach einer Bahnhofsdurchsage. Doch genau solche Sätze musste der neue Sprecher der Deutschen Bahn, Heiko Grauel, einsprechen.

Wer Heiko Grauel bisher unbewusst bei ZDF-Dokus oder Werbungen gehört hat, der kommt jetzt nicht mehr an seiner Stimme vorbei. Zumindest nicht, wenn er die Deutsche Bahn benutzt, denn Heiko Grauel ist die neue Stimme an den Bahnhofsgleisen Deutschlands. Dank einer speziellen Software musste er aber nicht alle 5700 Bahnhöfe einzeln einsprechen.

Langer Castingprozess

Nachdem die Bahnmitarbeiter eine Vorauswahl getroffen hatten, wanderten die Bewerberstimmen über den Vorstand bis zu einigen Gremien. Am Ende waren drei Frauen und drei Männer in der Endauswahl. In einem großen Kino wurden die Stimmen dann zusammen mit Bahnhofsgeräuschen vorgespielt. Für die Jury stand am Ende fest: Heiko Grauel klingt am sympathischsten und kann sich am besten über die Bahnhofsgeräuschkulisse hinwegsetzen.

Alltagssätze statt Bahnjargon

Insgesamt musste Heiko Grauel 14.000 Sätze in zwei Wochen einsprechen. Darunter waren neben Warnhinweisen für die Gleise viele Alltagssätze wie beispielsweise "Peter geht in den Wald und sammelt Pilze". Von den 5700 Bahnhofsnamen musste er gerade mal 700 einsprechen.

"Wir haben 14 Tage lang fünf bis sechs Stunden am Tag willkürliche Sätze eingesprochen."
Heiko Grauel, professioneller Sprecher

Dass diese Sätze am Ende doch noch Sinn für den Bahnbetrieb ergeben, dafür ist das TTS-System verantwortlich, das Text-To-Speach System. Das kann alle Satzteile so umbauen, dass am Ende der benötigte Satz für eine Bahnhofsdurchsage herauskommt.

Keine Emotionen in der Stimme erlaubt

Damit dieses System auch klappt, musste Heiko Grauel alle Sätze gleich einsprechen. Keine Variationen, keine Emotionen.

"Damit man aus 14.000 Sätzen alles zusammenbauen kann, muss natürlich jeder Satz nahezu gleich gesprochen werden."
Heiko Grauel, professioneller Sprecher

Für den Sprecher persönlich ist das schon eine größere Sache als seine bisherigen Jobs. Auch wenn er seit 27 Jahren mit seiner Stimme Dokumentationen, Hörbücher oder Werbespots begleitet - jeden Tag von mehr als 20 Millionen Menschen gehört zu werden, das ist natürlich etwas anderes.