Mit einer Resolution hat der Bundestag entschieden, dass das Massaker des Osmanischen Reichs an den Armeniern fortan als Völkermord bezeichnet werden darf. Aber auch Deutschland hat hoch einiges aufzuarbeiten: In der Kolonie Deutsch-Südwestafrika begingen die Deutschen eine Völkermord an den Nama und Herero. Eine klare Erklärung hat Deutschland dazu noch nicht geliefert. Das soll sich bald ändern.

Mit der Armenien-Resolution hat Deutschland ein klares Statement abgegeben: Das Massaker des Osmanischen Reiches an den Armeniern in den Jahren 1915 und 1916 ist als Völkermord einzustufen. Zwischen der Türkei und Deutschland hat das zu diplomatischen Verstimmungen geführt: Die Türkei berief ihren Botschafter aus Berlin zurück. Später empfahl der türkische Präsident Erdogan deutschen Abgeordneten mit türkischen Wurzeln, einen Bluttest zu machen, um zu prüfen, ob sie wirklich aus der Türkei kommen.

Deutschland hat einiges aufzuarbeiten

Bundestagspräsident Norbert Lammert verwies im Zuge dieser Ereignisse darauf, dass auch Deutschland noch einiges aufzuarbeiten habe: 1904 haben deutsche Truppen in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika - heute Namibia - einen Aufstand der einheimischen Nama und Herero niedergeschlagen. Dabei kamen mindestens 70.000 Menschen ums Leben.

Deutschland und Namibia verhandeln seit einiger Zeit über eine gemeinsame Sprachregelung zu dem Völkermord von 1904. "Beide Länder wollen gemeinsam Konsequenzen daraus ziehen, so wie das auch mal mit Tschechien zusammen passiert ist", sagt Hauptstadtkorrespondent Stephan Detjen. Die Nachfahren der Herero und Nama hoffen auf Entschädigungszahlungen vonseiten Deutschlands. Es soll auch eine Stiftung geben, die sich in Namibia um die Aufarbeitung der Vergangenheit kümmert.

Die Verhandlungen stocken

Ruprecht Polenz (CDU) ist Verhandlungsführer der Gespräche zwischen Deutschland und Namibia. Zurzeit stocken die Verhandlungen. Der Grund: Auf namibischer Seite gibt es noch Beratungsbedarf. Es geht um die Frage, wer überhaupt mit Deutschland sprechen soll - offizieller Verhandlungsführer ist ein ehemaliger Botschafter Namibias. Die Nachfahren der Nama und Herero möchten aber direkt an den Verhandlungen beteiligt werden.